Chronobiologie – aber nicht doch…

einen medienwirksamen Nobelpreis später, preist sich auf einmal jeder Hinz und Kunz, seine Grundsätze über anständiges und strukturiertes Leben anhand der Erkenntnisse der Chronobiologie aufgestellt zu haben.
nix is schlimmer als Außenstehende, die mit Fetzen von Wissenschaft argumentieren, von denen sie nicht ein Jota verstanden haben…
genug des Dünkels (ganz ernst war das auch nicht gemeint), aber der Knackpunkt an den verbreiteten Erkenntnissen ist in 98% der Fälle, dass die Forschungsergebnisse gelten – aber im Rahmen einer Normalverteilung. in der Regel verschwiegen und für die Öffentlichkeit damit nicht mehr existent sind bei der Normalverteilung mindestens 15%, die diesen Normen nicht entsprechen. das ist die ganz normale Varianz. ums zu Verklären könnt ich jetzt sagen, dass sich in ihr die Erfinder befinden, die Wahnsinnigen und die Genies, naja und am anderen Ende die Nur-Wahnsinnigen, Nicht-Genies usw., aber auch unverklärt: Die „Norm“ beschreibt eine Mehrheit, die statistisch bestimmbar ist, nicht mal extrem viel größer sein muss als der Rest, und schon gar keinen Zustand, der keine Abweichung hat.

seit dem Nobelpreis kennt sich jetzt jeder mit Chronobiologie aus, und besonderes Wasser auf ihre Mühlen finden die, die schon immer die Stunde Jetlag in März und Oktober völlig unerträglich fanden (bei Reiseflug nach Dubai, Thailand, Madagaskar, Brasilien oder New York macht das gar nichts, und am letzten Tag zurückfliegen, um ja keinen Tag Urlaub zu vergeuden – das kriegen wir schon hin…). die EU muss qua Beschluss jetzt sogar beraten und evaluieren, ob die saisonale Uhrenumstellung abgeschafft werden soll. Unfallzahlen am nächsten Montag seien höher, und ganz zu schweigen von den Kindern und den Tieren!
bei aller Liebe, wenn von Sonntag früh bis Montag früh zu kurz ist, um sich mit einer Stunde abzufinden, vllt. sollte man dann schon am Samstag umstellen – wer da regulär arbeiten muss, steckt sowieso im Schichtbetrieb und kann von einem 9-to-5-Rhythmus nur träumen, den die anderen offenbar so unverzichtbar finden, dass sie eine Stunde völlig aus jedem Takt wirft und wochenlange Beschwerden verursacht. Kinder? Timen sich doch eh noch autonom. Und Tiere, die auf pünktlicher Versorgung bestehen? zum Glück kommt der Sommerzeitwechsel nicht so unvorhersehbar wie Weihnachten, rein theoretisch könnte man das über drei, vier Tage viertelstundenweise anpassen…

überhaupt, fällt vielleicht mal jemandem ein, sich mit solcher Vehemenz für Schichtarbeiter oder gegen die neueste Unsitte Arbeit auf Abruf einzusetzen, wie für die Abschaffung der Sommerzeit?
nein? die hätten ja nur was gescheites lernen müssen, oder wie?

oder wie wäre es, wenn man mit der neuen Erkenntnis über Chronobiologie mal auch die Erkenntnis zur Anwendung brächte, dass maximal 40% der Bevölkerung von sich aus dem Ideal der fleißigen Frühaufsteher entsprechen und der überwiegende Rest der Menschen drunter leidet, von Kindheit an um Zwanzig vor Acht in der Schule strammzustehen, um halb Sechs aufzustehen um durch Rushhour hindurch und allen Unbillen zum Trotz um Acht, halb Neun todmüde und nur durch den Support von tonnenweise Kaffee wachgehalten jeden verdammten Tag im Jetlag zu leben, nur weil irgendjemand einst die Legende in die Welt setzte, Fleiß sei eine Tugend und vor Allem nur am Morgen möglich.

das Gegenteil vom Frühaufsteher ist der Langschläfer, nicht etwa der Spätschläfer. den Lerchen ist es prinzipiell unvorstellbar, dass es jemanden geben könnte, der nicht spätestens um neun am Abend erschöpft in die Kissen sinkt, sondern noch drei, vier, sechs, acht Stunden später fit und munter ist, auf dem Höhepunkt der Kreativität und Leistungsfähigkeit, und das schrieb sich auch in der Sprache fest.
Sonntag morgens um fünf begrüßte der Sportkommentator die Zuschauer zu den letzten Wettkämpfen der olympischen Spiele mit „Frühaufsteher oder die, die vor Spannung gar nicht richtig schlafen konnten“ – dass ir-gendjemand einfach noch wach sein könnte, ist nicht vorstellbar. gleichzeitig scheint es ums das frühe Aufstehen aber auch nicht so leicht und einfach bestellt zu sein, denn dann hofft er, dass sich das auch lohnen wird – wenn es so selbstverständlich und naturgegeben wäre, müsste doch niemand dafür belohnt werden?

selbst recht informative Magazine, moderiert von Wissenschaftsjournalisten, wagen keinen tieferen Blick mehr hinter die Komplexität menschlicher Individualismen, sondern wiederholen stur das, was als dernier cri gilt: blaues Licht (von Monitoren und Handy-Displays) stimuliert, behindert die Melatonin-Ausschüttung und damit den „natürlichen“ Schlaf bei Einbruch der Dunkelheit. natürlich.
nur ist der ganz und gar nicht so natürlich. isoliert man Menschen von externen Taktgebern wie Uhren, Fernsehprogrammen (Zeitsansage usw) und insbesondere Tageslicht, synchronisieren sie sich auf ihren ganz individuellen Tagesrhythmus irgendwo zwischen 22,5 und 28 Stunden pro „Tag“, und die meisten sogar etwas länger als 24h. da muss man nicht so weit gehen, zu behaupten, der Mars-Tag wäre, wie lange, 25 ¼h? und wir kämen eigentlich vom Mars und würden deswegen etwas langsamer ticken als der Erdtag. Sehbehinderte, deren Behinderung schon bei der Wahrnehmung ansetzt, die also Helligkeiten auch nicht unbewusst wahrnehmen können, weisen die Loslösung vom „Tages“rhythmus auch auf, das hat einen ICD-Code, ist also als Krankheit anerkannt. kein 24h-Takt = krank.

überraschend wurde zum Stichtag Sommerzeitwechsel der Hysterie in einer weiteren TV-Sendung (‚nano‘) kein weiterer Vorschub geleistet, stattdessen wurden die Lerchen und die Eulen damit erklärt, dass die einen einen kürzeren individuellen Tag haben und die anderen einen längeren – die mit dem kürzeren Tag stehen leichter früh auf, die mit dem längeren schwerer.
so einfach könnte es sein, so ohne moralische Wertung, so natürlich und gleich noch so im Trend der Achtsamkeit, auf den eigenen Körper zu hören.

die Untersuchung, ob eine Verschiebung um ein, zwei Stunden nach hinten, vom Morgengrauen zu einer erträglicheren Stunde, nicht enorme Vorteile hätte, kann aber gar nicht stattfinden, das leistete ja Verlotterung und Faulenzerei Vorschub.
man muss sich immer noch schämen dafür, chronobiologisch später getaktet zu sein, entweder ist man ein fauler Spät-Typ, oder man hat sich nicht an die wertvollen Tipps zu Lichtmanagement und Schlafhygiene gehalten – drum schreit da keiner.
da nutzt die schönste Chronobiologie nichts.

Facebook, Datenschutz und digitale Mündigkeit

kaum gibt es mal wieder ein größeres Datenleck, ist das Geschrei groß, und der Schutz von Nutzerdaten wird auf einmal zur Ministerial-Angelegenheit – anderntags stört der Datenschutz aus dem vorletzten Jahrhundert noch die Wirtschaft, und bei der Sicherheit gab es natürlich sowieso keine Tabus geben, aber das haben zum Glück schon wieder alle vergessen, wenn sich die Regierung medienwirksam Facebook entgegenstellt.

mein sogar für hiesige Verhältnisse launiges Statement dazu:

die jetzt zT empfohlenen Datenschutz-Einstellungen bei FB hab ich seit *überleg… wie lang bin ich bei FB?* hm, quasi seit Anbeginn meines Accounts. inkl. der Einstellung, dass Apps anderer(!) Leute nicht mehr als das Geburtsdatum sehen dürfen.
ja, die müssten sich dann auch noch dran halten. der Anteil insofern ehrlicher App-Anbieter lässt sich wahrscheinlich mit der Quote vergleichen, mit der Steuern hinterzogen, illegale Drogen konsumiert oder Wahlversprechen gehalten werden. inwieweit das dem Einzelnen genügt, muss sich jeder selbst ausrechnen. und spätestens da versagt die menschliche Fähigkeit ohnehin: eine Wahrscheinlichkeit von 1:100 beim Pillenversagen reicht zum sorglosen Akt, eine Wahrscheinlichkeit von 1:140.000.000 genügt, um Woche für Woche auf den Lotto-Jackpot zu hoffen.
dass FB seinen Gratisdienst mit der Nutzung der überlassenen Daten finanziert, dürfte mittlerweile trivial sein; sich zyklisch drüber zu erregen, dass die Daten tatsächlich verkauft wurden, oder dass sich anhand der Daten sehr detaillierte Profile erstellen lassen, belegt nur, dass man sich auf die „Sicherheit“ der Pille verlassen hat und jetzt einsehen muss, dass man sich da böse getäuscht hat. das meiste Geschrei gilt also den Schreiern selbst, die ihre Ent-Täuschung bewehklagen.

persönlich halt ich die kognitive Dissonanz zwischen Sicherheit und Komfort so aus:
ich hab ein Android-Fon, aber diverse Apps deutlich in ihren Zugriffsrechten beschnitten. Facebook-Apps kommen mir nicht aufs Gerät bzw. die Bloatware (*grmlgrmlgrml*) ist zumindest deaktiviert. für den Zugriff auf Facebook inkl. Messenger gibt’s andere Apps mit deutlich weniger Datenhunger. beim nächsten Gerätewechsel ist die Verfügbarkeit eines CustomROM mit entscheidendes Kaufargument. am Rechner läuft Facebook in einem eigenen Browser, der sonst nichts mit meinen Online-Aktivitäten zu tun hat. im Produktiv-Browser wohnen paar Addons, die hinter mir die Cookies wegputzen, per Whitelist auf allen außer definierten Seiten Skripte abschalten und noch so bisschen was (in der Summe für Normalsterbliche sicher zu viel, Shopping-Accounts ausloggen, Cookies aufräumen und Adblocker tun dem Komfort noch nicht weh, ändern an der Verfolgbarkeit aber auch schon Wesentliches).

Facebook liest trotzdem mit, als ich nur per Chat(!) von einer kleinen Renovierungs-Misere erzählte, bekam ich just passend plötzlich adäquate Werbung eingeblendet, dazu muss nicht mal die App übers Mikrofon lauschen (da war letztens was irgendwo im Blätterwald).
der FB-Chat hat die Vertraulichkeit von Postkarten, das muss man sich einfach klar machen.
sonst bewirbt mich FB aber nicht ausgesprochen sinnvoll, und auch Amazon schlägt mir nur vor, was ich zuletzt gekauft hab, denn deren Tracking-Cookies werden auch geputzt; und Recherchen schlagen sich nicht in Kaufvorschlägen nieder.
viel mehr kann man ohne digitale Askese wahrscheinlich nicht erwarten….

natürlich ist es richtig, dass es bei dem aktuellen Sturm im Wasserglas um wesentliche Grenzen geht, ob Marktinteressen oder legale Prinzipien jetzt das größere Gewicht haben sollen und auch um die generelle Sicherheit der persönlichen Daten in immer hungrigerer Umgebung (Details wären da zB Smart Home, Fitness-Armbänder, hochvernetzte KfZ, „Schutzranzen“ (siehe bei digitalcourage.de), NFC-Tickets, Gesichtserkennung im öffentlichen Raum etc. pp.), an der Stelle ist auch der Staat selbst gefragt, sich nicht in feuchten Überwachungsträumen zu verlieren, sondern zu erkennen, dass sie mit den Daten offensichtlich nicht mal was sinnvolles anfangen können.

das erfordert aber auch auf User-Seite immer noch eine gewisse digitale Mündigkeit, egal wie man es dreht und wendet. die User allerdings sind immer noch auf dem Niveau, dem Anwalt aus Liberia zu antworten, der sie wegen des großen, herrenlosen Erbes angemailt hat und für einen Scherztest Vollzugriff auf ihr Profil zu geben. nur wenn dann mal wieder rauskommt, dass die alle nicht nur ihr bestes im Sinn hatten, dann ist das Geschrei groß – und da wende ich mich mit Grausen ab.

Drogen, Selbstoptimierung, Gesundheitswahn

an der einen Ecke wird daran gearbeitet, zum Einstieg mal Cannabis zu entkriminalisieren, besser noch zu legalisieren bzw: regulieren, also für einen geordneten, qualitätsgesicherten, legalen Zugang dazu zu sorgen.
bisschen über diesen Tellerrand hinaus gibt es solche Anstrengungen sehr sehr leise auch für die restlichen Substanzen, die als Drogen oder Betäubungsmittel illegalisiert und vA diskreditiert sind.
die Akteure der Initiativen arbeiten hart, engagieren sich ehrbar und erreichen kleine aber langsam mehr werdende Erfolge – Cannabis als Medizin-Gesetzt, Kriminalbeamte sprechen sich für mindestens einen Verfolgungsstopp aus, namhafte Unterstützer usw. usf.

aber auf der anderen Seite: Die „Gesellschaft“.
dass der „kleine [dumme] Mann“ von der Straße dank jahrzehntelanger Propaganda von Einstiegsdroge, Haschischgiftspritzen, anständige Leute nehmen keine Drogen (sondern saufen) etc. von einer Regulierung natürlich nichts wissen will, geschenkt. es gab schon unpopulärere Gesetze, die dem Volksmaul zum Trotz verabschiedet wurden.

den echten Hemmschuh seh ich ganz woanders, es läuft wieder auf meine Lieblingsdystopie „Demolition Man“ hinaus. ja, der alberne Actionfilm mit Stallone und Snipes, wo die beiden eingefroren in einem Megacitykomplex aus San Francisco, Los Angeles uvm wieder aufwachen, man „Sanfte Grüße“ verteilt, Fleisch, starke Gewürze, Salz und Kontaktsportarten inkl. Sex verboten sind und Kraftausdrücke durch die automatische allgegenwärtige Überwachung mit einem Credit Geldstrafe belegt werden.

beim Punkt starke Gewürze bin ich schon ganz nah dran.
Zucker ist zur Zeit der dernier crí nach vielen anderen Hypes: Fett ist pfui, Eier sind pfui (Cholesteriiiiiiiiiin!), rotes Fleisch ist pfui, pfui hier, pfui da. Ernährung wurde in den letzten Jahren im allgemeinen Gesundheitswahn und der faktischen Sportpflicht zum zentralen Thema – Augenmaß ist out, es muss ein konkretes, elaboriertes Ernährungskonzept sein. Vegetarisch, vegan, roh, paläo, low-carb, no-carb, keton… wer sich einfach nach Lust und Gusto ernährt, steht kurz vor der sozialen Ächtung.

mein Lieblingsfeind im täglichen Konsum ist bekanntermaßen Rewe. die bewegen sich grade aus den Startlöchern mit einer Aktion, ihre Eigenmarken „gesünder“ zu machen. konkret: Salz, Zucker uvm. draus entfernen. ganz volksnah macht man das per (unkontrollierter) Verkostung.
als erstes gab es jetzt ein Set Schokopudding zu kaufen, die normale Standardrezeptur und drei weitere mit 20%, 30% und 40% weniger Zucker. auf der Packung ein Verifizierungscode, mit dem man dann im Netz abstimmen konnte, welche Sorte einem am besten schmeckt, und eine kleine Anleitung, wie man „fachmännisch“ verkostet.
ich hab auch gekostet, allerdings zu spät zum Abstimmen. Standard und -20% nahmen sich nicht viel, -30% ging grade noch so und -40% läuft eher so unter Strafe.
was kam jetzt raus, als die Ergebnisse veröffentlicht wurden, was ist der Abstimmenden liebster Schokopudding? -30% *eek*

an der Methode hab ich gleich mehreres auszusetzen, schon rein praktisch: abstimmen im Netz, damit schließt man schon einen Teil der potenziellen Abstimmer aus, alte Leute haben womöglich nicht mal mitgekriegt, um was es geht.
aber vor allen Dingen: wen spricht so ne Initiative an? die Klientel der Ernährungshype-Fans, der Selbstoptimierer, „ich stehe brav auf, wenn die $_Firma-Smartwatch mir das sagt“ [aus einer Werbung entnommen, aber hier sehr schön bezeichnend passend] und natürlich die Zucker-Feinde.
jetzt mal ganz subjektiv: -20% in dem Pudding, könnt ich easy damit leben, schmeckt völlig OK, hat den nötigen Dopamin-Kick, den ich bei einem Schoko(!)-Pudding(!) auch haben will – sonst könnt ich auch Taschentücher essen.
(ganz abgesehen noch davon, dass es viel sinnvollere Ansätze gäbe, die Aberwitzigkeiten von Food-Design wieder runterzufahren, Laktose in der Wurst, dafür 0,5% Ei in Mayonnaise, an zigtausend Stellen ist richtig viel Unfug im Essen, darunter dann auch mal Zucker und Salz, aber die fallen bei Licht besehen nicht wirklich ins Gewicht, verglichen mit 60% Zusätzen, die in einem herkömmlichen Selbst-Mach-Rezept nicht drin sind, und auch nicht fehlen.)

die Abstimmung mit einem massiven Vorsprung für -30% (original: 5,4% | -20%: 19,6% | -30%: 45% | -40%: 30%) seh ich aber schlicht verfälscht.
wenn die Menschheit schon seit Jahrzehnten was gegen starken Zuckergeschmack hätte, gäbe es die großen Absätze und Umsätze mit massiv süßem Zeug nicht, bei Getränken, bei Süßigkeiten, Schokoladen, Eis usw. usf. da sind aber riesige Absatzmärkte, bei Geschmacksnuancen, die auch mir wesentlich zu süß sind. also eine Ablehnung gegen „süß“ an sich – Fehlanzeige.
dann aber gewinnt ein Pudding mit einer Ahnung von süß und ansonsten auch eher geschmacksarm (nicht mit etwas mehr Schoko ausgeglichen, oder sonstige Chancen, die man hätte wahrnehmen können, wenn man den Zucker runterfährt).

da krieg ich keine logische Erklärung hin, außer der:
Zucker ist der Feind! „wir“ haben die Gelegenheit, Schokopudding umzustellen, damit da nur noch gaaaanz wenig Zucker drin ist. „wir“ wollen ja auch merken, dass wir verzichten auf den Zucker. also ein Pudding mit weniger Zucker, dem man das nicht anschmeckt, wäre gar nicht in „unserem“ Interesse – die Askese ist nicht lustvoll, die Belohnung für den Verzicht muss immer noch irgendwie extern geholt werden. für die täglichen 10.000 Schritte muss die mitzählende Smartwatch zeitnah dudeln und „loben“, am besten noch im Contest mit Familie und Freundeskreis, und wenn „wir“ beim Essen verzichten, dann müssen „wir“ das auch merken, damit „uns“ bewusst wird, dass „wir“ „brav“ waren.

„einfach so“ vernünftig essen, auch mal ein Supersize-Menu reinhauen – macht gar nix, wenn man es nicht zusätzlich zu den anderen fünf Mahlzeiten am Tag ist, sondern dafür halt dann drei oder vier auslässt – das ist unmöglich, nicht gangbar, damit kann man keine App füttern, die dann mit höherem Punktestand, Sternchen und Funkelsound lobt. der Krankenkassen-App für den Beitragsbonus kann man das natürlich auch nicht sagen.
also muss Konzept her, Belohnung, permanente externe Motivation zum „guten“ und „richtigen“ Verhalten.

mit einer Gesundheitswahn-Society, die sich freiwillig – und allen anderen erzwungenermaßen, denn die neue Rezeptur wird die alte ersetzen, nicht ergänzen – den Schokopudding verdirbt (und was noch alles folgen mag) zu einer Akzeptanz für informierte, freie, mündige Entscheidung beim Konsum zu kommen, erst recht beim Konsum von Substanzen, über die immer noch Legenden von sofortiger Abhängigkeit verbreitet werden – mir schwindet die Hoffnung.

„Chronisch“ arbeitslos

Im Morgenmagazin gehört, zitert aus ARD-Text, Seite 141 (10.1.2018, 7:00 Uhr):

Weniger „chronisch“ Arbeitslose
Die Zahl der Menschen mit andauernden Problemen bei der Jobsuche ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Galten 2006 noch 2,6 Millionen als „chronisch“ arbeitlos, waren es 2015 nur 1,2 Millionen. Damit hat sich der Anteil mehr als halbiert.
Im Gegensatz zu Langzeitarbeitslosen (12 oder mehr Monate durchgängig ohne Job) können „chronisch“ Arbeitslose trotz kurzer Phasen der Beschäftigung oder Fördermaßnahmen auf dem Arbeitsmarkt nicht Fuß fassen. Die Zahl der Langzeitarbeitlosen ging von 2006 (1,9 Millionen) auf 500.000 (2015) zurück.

[sic, die Inkonsistenz der Wiedergabe von 2006-2015 ist so im Text]

Von den Schwächen der Arbeitsmarktstatistiken mit ihren Ausschlüssen von Millionen Menschen und der dadurch systematisch unterschätzten Zahl Betroffener, der konsequent unterbleibenden Einführung einer „Unterbeschäftigten-Statistik“, die da wesentlich ehrlicher wäre, der eigentlich falschen Bezeichnung „arbeitslos“ und dem besseren Begriff „erwerbslos“ und dem Dogma Erwerbsarbeit als einzige Option für Strukturierung und Sinnfindung mal ab – mein Standpunkt dazu sollte im Wesentlichen bekannt sein.

Aufreger heute ist die Bezeichnung für diejenigen, die im erfolgreich eingeführten Niedriglohnsektor mit beschränkten Arbeitnehmerrechten (den Begriff mag ich auch nicht, siehe dazu auch die ‚Fußnote‘ im ersten Blogpost zu Streiks) nicht „Fuß fassen“ -
und hier schon wieder ein kurzer Exkurs: Oder aber der Dumping-Sektor funktioniert durchaus wie geplant und produziert nachhaltig einen Pool von prekär Beschäftigten, die zwischen ALG2, Leiharbeit, „Förder“maßnahmen wie 1-€-Jobs, Saisonjobs usw. pendeln und den Status „Langzeiterwerbslos“ nie ganz verlieren. Vorteil für die Beschäftiger: Langzeiterwerbslosen steht zB kein Mindestlohn zu, stattdessen aber Lohnsubvention durch die vermittelnde Behörde (AfA/JC), auch „Praktika“ mit geringer/keiner Entlohnung werden immer wieder gerne genommen. Es erschließt sich also eine gewisse Attraktivität, diese billigen Arbeitskräfte nicht zu weit zu fördern und nicht zu lange zu beschäftigen, damit nicht die üblichen Arbeitnehmerrechte anfangen zu greifen.
Exkurs Ende.

Also, es gibt immer noch, selbst nach offizieller Zählung, 1,2 Millionen Menschen, die aus dem Status der Unterbeschäftigung zwischen Jobcenter, Jojo-Jobs, Maßnahmen, Kurzeinstellung und Entlassung mutmaßlich noch in der Probezeit nicht herauskommen. Die sind nicht langzeitarbeitlos, sondern kriegen immer mal wieder ’nen Job und fliegen dann wieder raus. Bzw. werden kurzzeitig abhängig beschäftigt und dann wieder freigesetzt – aus Sicht der Wirtschaft doch eigentlich der Traum von Flexibilität und kurzfristiger Disponierbarkeit von Arbeitskräften.
Obwohl die überflexibel Beschäftigten also eigentlich die Idealvorstellung der modernen Arbeitskräfte darstellen, kriegen sie das Etikett „chronisch“ arbeitlos.

„Chronisch“, das hat Krankheitswert. Ich bin nicht chronisch gut drauf, chronisch glücklich, chronisch gesund, chronisch erfolgreich. Ich bin chronisch depressiv, chronisch vom Pech verfolgt, chronisch krank, und das vor allem, wenn ich mich zu lange nicht gekümmert habe(!) und die Krankheit verschleppt. Und jetzt neu: Chronisch arbeitslos.

Der Duden sagt zu chronisch:

Bedeutungsübersicht

1. (Medizin) (von Krankheiten) sich langsam entwickelnd und lange dauernd
2. (umgangssprachlich) dauernd, ständig

Oh, umgangssprachlich heißt das auch ’ständig‘. Erwarte ich von einer offiziellen Arbeitsmarktstatistik Umgangssprache? Doch eher nicht!
Achso, deswegen hat man es ja in Anführungszeichen gesetzt, um auszudrücken, dass es keine hochwissenschaftliche (medizinische) Bezeichnung darstellt?
Ob sich das jedem so erschließt, oder ob da nicht eher die Assoziation zu Krankheiten einsetzt? Wie oft benutzt man „chronisch“ umgangssprachlich positiv? „Du hast ja auch chronisch das Glück gepachtet“, oder „Dem seine Beziehung ist ja chronisch harmonisch“ – kommt mir ehrlich gesagt nicht so umgangssprachlich normal vor, höchstens noch mit einem sarkastischen Unterton.

Ich sehe da, so leid es mir tut und so bereit der Aluhut neben mir liegt, doch auch wieder eine geschickte Sprachverhunzung.

„Bestimmte Menschen sind chronisch arbeitslos, in der Regel trifft das besonders die sozial Schwachen.“

- um es mal mit der anderen Floskel, die ich so sehr hasse, direkt in einer spekulativ entworfenen Formulierung zu verbinden. Kann man sich doch gut vorstellen, dass das so in der Zeitung steht, oder?

Der Kniff dabei ist, die Schuld für die Situation den Betroffenen zuzuschieben. Arbeitslosigkeit als chronischer, quasi pathologischer Zustand, der bei der nicht so genau zu definierenden Gruppe „sozial Schwache“ eintritt, mit der man am Liebsten möglichst wenig gemein hat. Sozial schwach, das ist so negativ, das kann man ganz leicht von sich weisen. ‚Ich bin sozial richtig gut, meine social Skills pflege ich im Verein und unternehme mindestens 2x die Woche was mit meinen Freunden‘, kann man sich denken und sich beruhigt zurücklehnen.

Ehrlich wäre, das Thema beim Namen zu nennen und „arm“ zu sagen. Aber Armut, das passiert, das stößt einem zu: „Die Witwe ist nach dem Tod ihres Mannes völlig verarmt“, „Er stammte aus armen Verhältnissen“.
Sozial schwach hingegen, das ist ein Defizit, das liegt bei den Betroffenen, da klingt ‚asozial‘ mit, und die fehlende Bemühung, sozial zu sein.

„Sozial benachteiligt“, was noch etwas differenzierter klingt und gelegentlich verwendet wird, beschreibt die Auswirkungen von Armut: Man ist einfach nicht mehr in der Lage, mit den sozialen Aktivitäten Schritt zu halten. Wöchentlich ins Kino und danach noch auf einen Drink? Unbezahlbar. Aber wenn man oft genug absagt, verlieren die Freunde die Lust an einem, man gerät in Vergessenheit. Die Mitgliedschaft in Vereinen wird man aufgeben oder sehr genau aussortieren müssen, kostet ja auch Geld. „Wie, du streamst deine Musik nicht aufs Handy? Völlig von gestern, oder was?“ – aber Streaming gibt’s im Abo, 10€ im Monat, die man entweder nicht hat, oder vom Kino abziehen muss, oder… Nicht mal Mobilität ist in jedem Fall gegeben, oder spätestens auf Dauer: Sicher kann man das Rad nehmen oder laufen, aber fürs Rad braucht’s auch die passenden (warmen) Klamotten, oder was wasserdichtes zum Überziehen, und wenn dann mal ein Schlauch kaputt geht und die Schuhe durchgelaufen sind? Und die Leute zu sich nach Hause einladen, wenn man den Platz hat, mag das ein paar Mal gehen, aber die wollen nicht immer ihre Sachen mitbringen (bewirten??), oder mal wieder was anderes erleben. Und was es mit der Psyche macht: Selbst im Discounter immer nach unten bücken, wo die einfache Eigenmarke steht, in der ganzen Küche nur noch uniforme schmucklose Produkte mit einfachem Logo; abwägen, ob das Sonderangebot die Anreise dahin lohnt, rechnen, ob man sich das Duschgel für 1,49 statt der Eigenmarke für 0,59 diesen Monat gönnen kann… Im Amt steht dann eine wohlmeinende Stromberatung, die neuen LED-Leuchtmittel sind mit einer Woche Kartoffeln vllt. noch drin, aber von was soll man sich denn einen sparsamen Kühlschrank kaufen?

Das ist das, was aus Armut resultiert, schon vom Wohnen in der billigeren Gegend kriegt man einen mieseren Schufa-Score, potentielle Arbeitgeber schauen schon auch mal auf die Postleitzahl oder den Namen der Schule und sortieren danach aus, und noch so viel mehr. Armut macht soziale Nachteile, macht sozial schwach. Aber so unreflektiert und selbstverständlich, wie es gebraucht wird, steht die Floskel inzwischen für sich alleine, und über die Auswirkungen von Armut weiß außer den Betroffenen und ein paar Forschern1 keiner Bescheid und man denkt nur an Tafel, Flaschensammler und unbezahlte Stromrechnungen. Sozial schwach, und das jetzt auch noch chronisch…!2

Das ist das, was ich daran so bitterlich ankreide: Man schiebt über eine vermeintlich harmlose Formulierung die Schuld am Zustand den Betroffenen zu.

  1. (ja, Arbeitslosenforschung gibt es, sogar engagiert und kritisch [zurück]
  2. siehe weiter beim ‚Krankheitswert‘ von chronisch: wenn man sich zu spät kümmert, wird die Krankheit chronisch. die Erwerbslosen kümmern sich wohl zu schlecht um Arbeit, drum sind sie jetzt chronisch arbeitslos. oder wie sonst kommt das, dass sie trotz Beschäftigungen und Fördermaßnahmen(!) nicht dauerhaft in Arbeit bleiben….? [zurück]

Stigma Sozialhilfe – ?

Ganz aktuell aus der Beobachtung raus aufgeschrieben:

10vor10, Nachrichtenmagazin des Schweizer Fernsehens, berichtet über Sozialhilfe in der Schweiz.
Exemplarisch wird die Situation geschildert an einer allerziehenden Mutter Celine B., die nach Scheidung mit dem 7-jährigen Sohn seit vier Jahren von Sozialhilfe lebt.
- Vom Hörensagen ‚weiß‘ man ja, Leben in der Schweiz ist teuer. die tatsächliche Kaufkraft in Relation zu Deutschland hab ich nicht erforscht, uA ist mir entgangen, wo Celine B. lebt. Die Summen stehen hier jetzt einfach so, wie sie im Bericht erwähnt wurden. Eine vage Einschätzung wurde im Bericht gegeben. -
Nach allen Abzügen von Miete, Versicherungen etc. blieben ihr und ihrem Sohn im Monat 1.500 Franken. Das sei viel für die Gemeinschaft, die das bezahlen muss, aber wenig für die, die damit auskommen müssen. Celine B. wird gefragt, wie viel sie für Nahrungsmittel im Monat ausgibt, so um die 300 Franken, und ungläubig wird nachgefragt: „Im Monat!?!“ – überlegt, schließlich schüchtern „Hmmja, doch.“
Zu Wort kommt auch ein Mitarbeiter der Caritas, die einen Laden mit billigeren Produkten betreibt.
Der Mitarbeiter des Ladens erzählt, die Betroffenen gingen oft nicht zum Arzt, weil sie sich die Zuzahlung nicht leisten können, ernähren sich notgedrungen „nicht so gut“ weil sie die besseren Sachen nicht bezahlen können, kauften keine neuen Schuhe, solang die alten noch halbwegs(!) wasserdicht seien. Man müsse nicht verhungern, aber es reiche auch nicht aus und das habe auch Auswirkungen.
Aufnahme zu Hause bei Celine B. und ihrem Sohn. Die Bilder zeigen eine saubere kleine Wohnung, in der Celine B. mit ihrem Sohn an einem kleinen Küchentisch zu Mittag ist, deutlich zu sehen frisches Grün, Salat. Eine zarte junge Frau, dezent geschminkt, gepflegt, bescheiden, traurig über ihre vergeblichen Mühen, aber ohne Groll oder Resignation. Der Sohn, altersgemäß, isst manierlich am Tisch, ebenfalls sauber, gut angezogen.
Celine B. hat einen Handwerksberuf gelernt und kann ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. Sie berichtet, eine Anstellung zu finden sei sehr schwer, weil Angestellte gesucht werden, die ausgebildet sind, die Firmen suchten keine Lehrlinge, sonst hätten sie eine Lehrstelle ausgeschrieben. Auf „Hilfsjobs“ angesprochen erklärt sie, solche Jobs würden überhaupt nicht ausgeschrieben, die würden wohl nur über Beziehungen vergeben.
Mehrfach habe sie bereits eine Umschulung beantragt, die sei aber nicht genehmigt worden – da sie bereits eine abgeschlossene Ausbildung hat.
Eine Förderinitiative für Alleinerziehende bestätigt Celine B.s Schilderung, dass es ohne Ausbildung fast unmöglich ist, einen qualifizierten Arbeitsplatz zu bekommen, zumal, wenn noch Kinderbetreuung geleistet werden muss.
Abschließend noch ein Hoffnungsschimmer, Celine B. hat einen Praktikumsplatz im kaufmännischen Bereich gefunden und kann dort Erfahrungen sammeln. Dies sei noch keine Ausbildung, aber ein Anfang.

Fällt schon was auf?
- die Sozialhilfe ist teuer für die Gemeinschaft – aber wenig für die Betroffenen
- die Ausgaben für die Lebensmittel sind so niedrig, dass die Reporterin es fast nicht glauben kann, die ungläubige Nachfrage ist auch im Bericht noch erhalten
- beim Essen ist trotzdem frisches Grün auf dem Tisch, ‚vernünftige‘ Ernährung
- die Sparmaßnahmen der Armen werden erwähnt und gewürdigt, die Unterfinanzierung zugegeben
- Celine B. hat nachvollziehbare Gründe dafür, dass sie keine Arbeitsstelle findet, und diese werden bestätigt
- das Dilemma Ausbildung – gesundheitliche Gründe – keine neue Ausbildung weil bereits eine vorhanden, wird benannt

Wäre so ein Bericht vorstellbar in Deutschland, über eine geschiedene junge Mutter mit Kind?
Kann man sich vorstellen, dass hier klipp und klar gesagt wird, 409+291€ für Mutter und Kind seien wenig Geld für die Betroffenen? Dass klar gesagt wird, dass es einfach unmöglich sein kann, quer einzusteigen, egal was man anstellt und dass das Arbeitsamt einen dabei nicht konstruktiv unterstützt?
Würde man hier nicht viel mehr erwarten, dass sich garantiert was zu mäkeln findet an der Person, sei es durch die Darstellung: Zu viel oder zu wenig MakeUp, einen wie zufälligen Seitenblick auf noch nicht weggebrachtes Leergut in der Küche, am Besten noch mit 2-3 Flaschen Bier oder Wein, kein Obst oder Salat beim Essen, statt Bildern vom kleinen Küchentisch Bilder vom Wohnzimmer mit Flatscreen? Sei es durch den Kommentar zum Bericht, der da oder dort doch Ausgaben erwähnt, die eventuell nicht unbedingt sein müssten, wenn man doch sparen muss, der vllt. doch anzweifeln würde, ob sie sich genug bemüht? Sei es durch Stimmen aus dem Caritas-Laden, oder der Förderinitiative, die zur Not so zusammengeschnitten werden, dass sie anders klingen? Sei es, dass man, anstatt die Aussage, Hilfsjobs gäbe es nur über Vitamin B von Celine B. direkt zu zeigen, dies als Kommentar einsprechen würde: „Celine B. sagt, Hilfsjobs würden nicht ausgeschrieben“, wobei der Konjunktiv und die indirekte Rede sachlich korrekt sind, aber je nach Gesamtfärbung des Berichts auch Zweifel an der Aussage suggerieren können? Besteht in Deutschland nicht schon generell die Erwartungshaltung, Leistungsempfänger auf ALG2-Niveau sollten generell höchstens beim Discounter oder besser gleich bei Tafeln, Second-Hand-Kaufhäusern und Kleiderkammern einkaufen und Schuhe, die noch halbwegs wasserdicht sind, reichen aber allemal noch aus? Enden solche begleitenden Berichte nicht meistens damit, dass ein begleiteter Leistungsempfänger irgendeine Chance bekommt (Job, Praktikum), um sie dann zum Stichtag nicht anzutreten?

Da ist die Saat aufgegangen, von der „sozialen Hängematte“, das Gerede von „kein Recht auf Faulheit“ und „Dekadenz“.
Da sind Maßstäbe verkehrt worden.
Das Lohnabstandsgebot ist pervertiert dahin, dass die Niedriglöhne Abstand zur Sozialleistung definieren, die noch weit drunter liegen muss, anstatt vom Existenzminimum einen Abstand zum Mindestlohn zu definieren.
uvm., ich hab nicht mal mehr Lust, das alles aufzuschreiben, mit dem dafür gesorgt wird, dass die Armen den Ärmsten die Butter auf dem Brot nicht gönnen und die Reste solidarischen Denkens von Furcht vor dem Abstieg aufs Minimum verdrängt wurden.

In der Schweiz ist nicht alles golden und die Gesellschaft dort viel wärmer, das bild ich mir nicht ein. Der Bericht aber war so bemerkenswert anders, so ohne Schuldzuschreibung zur Arbeitslosen, ohne Verdacht auf Dekadenz und Verschwendung, dass ich das jetzt festhalten musste.