Böllerei

Regelmäßig und termingerecht wird zum Jahreswechsel mit diversen Argumenten die Böllerfraktion aufgefordert, das Knallen zu lassen, weil.
In erster Linie kommen da 3 Hauptargumente zur Sprache.

  • nur die Unterschicht, die ja bekanntermaßen gleichgesetzt ist mit wirtschafltich benachteiligten Bevölkerungsschichten, böllert. gerne erweitert um „die Kinder können sie nicht gescheit ernähren, aber einen Riesenflatscreen und für 100€ Feuerwerk, DAS können sie sich leisten, die Schmarotzer“
  • Brot statt Böller
  • Hunde, Katzen, Haustiere sind total terrorisiert von dem Geknalle
  • zum ersten Punkt lass ich mich mal nicht aus, das Argument ist SO bescheuert, dass mir eh nichts dazu einfällt außer: Bitte mal auf Discounter- und Baumarktparkplätzen gucken, welche Sorte Unterschicht da wagenweise Feuerwerk einlädt: die Unterschicht mit SUV und/oder Kombi mindestens der oberen Mittelklasse. dass es sich dabei nicht grade um die so gern geschmähten Leistungsempfänger handeln kann, sollte auf der Hand liegen. aber uuh, das würde ja am Weltbild wackeln. also lassen wir das einfach beiseite.

    zwotens. die Summe, die man für Feuerwerk anlegt, doch lieber spenden. an sich ne nette Idee. doch. kommt aber in anderen Monaten noch besser, wenn das Aufkommen nicht so saisontypisch in die Höhe schießt. wenn es im Dezember reicht, könnte es im März evtl. auch gehen?
    außerdem bin ich gegen Methoden, bei denen man sich selbst was verkneift, um die Welt zu verbessern – verkneifen macht verkniffen, und moralinsaures Verkniffensein ist das Letzte, was ich ertragen kann.

    dann die Haustiere, die das Geknalle nicht aushalten. ich muss da leider ganz fies aus dem eigenen Erfahrungsschatz berichten – und weiß sehr genau, dass Einzelfälle nichts beweisen, und saubere Argumentation wahrlich anders aussieht. trotzdem: seit den 80er Jahren wohn(t)en wir mitsamt unseren Haustieren in der Dorfmitte, Hauptstraße – und auch wenn sich das wegen „Dorf“ recht idyllisch anhört, der Pulverdampf hing nach den gängigen 30 Minuten Feuerwerk noch weitere 30 Minuten dick in den Straßen und Nebenstraßen, also die ländliche Bevölkerung lässt sich da auch gar nicht lumpen. soviel zur Einführung, damit die Vorstellung sitzt, mit welchem Feuerwerkslevel es unsere diversen Katzen und Hunde in rd. 30 Jahren zu tun hatten.
    von 6 Katzen und 2 Hunden in der Zeit hat ein einziges Hundchen sich etwas nervös gezeigt, wenn am 29. Dezember nachmittags die ersten vorzeitigen Explosionen (Fachbegriff: Explosio praecox) zu vernehmen waren. dann nahmen wir uns die Kleine kurz zur Seite, haben ihr den Schmarrn erklärt, und dass doch alles OK ist, wir sind doch auch alle ganz ruhig, und ab da reichte ihr ein Kontrollblick, ob wir uns aufregen oder nicht. fertig. Ende der Aufregung. der Rest der Menagerie brauchte auch diese kleine Intervention nicht.
    die These, die in der Formulierung mit psychologischen Begriffen ziemlich ketzerisch umgeht, fiel mir so leider erst dieses Jahr ein: „Sicher gebundene Haustiere haben keine Angst vor Feuerwerk“ – wenn der Hausmensch eine Vertrauensperson für das Viechzeug ist, dann regt es sich auch nicht über das Feuerwerk auf.

    ein wesentlich besseres Argument gegen Feuerwerk – besser in der Hinsicht, als dass es mir viel besser einleuchtet –, kam mal kurz auf, ist aber irgendwie wieder in der Versenkung verschwunden. insofern weiß ich jetzt auch nicht, ob es nicht zutrifft, oder warum man nichts mehr davon hört (ist das zu PC, zu viel Gutmenscherei, sollte man bei der aktuellen Stimmung nicht noch mehr die Freiheiten der DEUTSCHEN einschränken wegen der ASYLANTEN (*) und lieber leisetreten vor dem rechtsradikalen Mob?)
    jedenfalls hieß es mal, der Kriegssound sei für zweifelsohne traumatisierte Flüchtlinge nicht grade entspannend.
    da könnt ich mit.
    aber darüber weiß man irgendwie nix.

    naja.
    mehr schlechte Laune erst wieder nächstes Jahr.
    laut oder leise, einzeln oder mit allen, guten Rutsch nach 2017.

    (*) das Wort benutze ich ansonsten nicht. absichtlich und ausdrücklich. an der Stelle nur um die Richtung zu verdeutlichen, der da nach dem Mund geredet würde, würde so tatsächlich argumentiert. was sich meiner Kenntnis entzieht, wie ich schon geschrieben hab.