Archiv der Kategorie 'Dogmen hab ich gefressen'

Bloß keine Empathie! – Echt jetzt?

Anlass war folgender Artikel in der Zeit: „Empathie blendet uns“
Abstract:

Sich in andere hineinversetzen – eine wunderbare Fähigkeit, gerade in Zeiten von Terror und Flucht?
Nein. Ein Gespräch mit dem Psychologen Paul Bloom, der eine Alternative vorschlägt.

der Text dazu entstand ursprünglich als Kommentar bei Facebook, wg. einigermaßenen Zuspruchs transferier ich ihn jetzt auch hierher.

wenn ein Psychologe vs. Empathie argumentiert, werd ich schon spontan skeptisch: das empathische Einlassen auf den Gegenüber ist im therapeutischen Setting eine der Grundvorraussetzungen überhaupt. der therapeutische Aspekt mag bei seiner, also Paul Blooms, Arbeit weniger eine Rolle spielen, aber er diskreditiert Empathie ja nachgeradezu.

die zitierte mediale Präsentation von menschlichem Leid zur Rechtfertigung von Kriegen etc. zielt mMn auch gar nicht in erster Linie auf Empathie ab, sondern auf den sozialen Druck einer (vermeintlichen?) sozialen Verpflichtung – „du kannst doch nicht allen Ernstes dagegen sein, dieses Kinderelend zu beenden!?!“

weiterhin das Experiment zu Empathie und Rache. die Forschung dazu läuft noch, allein deswegen find ich es schon unsauber, schon von Ergebnissen zu reden (sowas macht sich zB medial ganz schnell selbständig). außerdem ist derartige Empathie wie im Beispiel zitiert oft auch ganz falsch verstanden. viele Opfer haben nämlich grade diesen Rachegedanken nicht. das ist so eine Pseudo-Empathie, in die imo auch die Hilflosigkeit reinspielt, dem Opfer wirkliche Hilfe zu leisten, „gehen wir halt auf den Täter los, wenn wir schon sonst nichts tun können“. (kann ich mir großartig als Comic-Strip von Erzaehlmirnix vorstellen btw)

vor mir wurde noch folgendes kommentiert (minimal zusammengefasst, Verfasser bekannt, hier aber absichtlich namentlich weggelassen):

und genau das laesst soziale dienste so mangelhaft sein wie sie sind.
diese einstellung ist keine wirkliche hilfe mehr; symptomatisch fuer den seit jahren anhaltenden abbau des sozialen, nun auch ideolgisch bei der medialen deutungshoheit angelangt.
ich geb mir sowas vllt wenn ich nach einer zielgerichteten funktionalen adjustierung meiner konstitution suche; einer stromlinienfoermigen anpassungsunterstuetzung. sicher aber nicht wenn ich wirkliche verstehende hilfe suche.
ein ziemlich erbaermliches eingestaendnis der ueberforderung in der sozialen und therapeutischen arbeit mmn.

da muss ich in der Tat zugeben, dass ich diese Implikationen für die soziale und therapeutische Arbeit nicht ganz nachvollziehen kann. vllt. denke ich auch einfach nicht tief genug. also, ich halte das nicht für falsch gedacht, komme nur selbst einfach nicht so weit, was die Auswirkungen betrifft (dass Empathie eine Grundvoraussetzung für die therapeutische Beziehung darstellt, hab ich ja auch schon eingangs erwähnt).

das ändert aber nichts daran: diese totale förmliche Diffamierung der Empathie ist imo grundfalsch. richtig ist zwar, dass die Ableitung von Handlungen erfordert, dass die Ratio eingeschaltet wird, was im Artikel dann unter Mitgefühl firmiert. rationales Helfen ohne vorherige, auch intensive, Empathie bleibt aber oberflächlich, geglättet, und kalt, nach dem Motto „komm mir mit deinen Problemen ja nicht zu nahe“ und das kann in jedem Fall nur falsch sein.

Alt genug zum F…..

ich steh nicht auf Religion – dürfte jeder wissen, nicht nur wer mich kennt, sondern auch wer mich „nur“ liest.

ein Argument v.A. gg. eine bestimmte derzeit besonders umstrittene Religion kotzt mich aber einfach entschieden an und ich find es scheinheilig, an den Haaren herbeigezogen und mit zweierlei Maß gemessen, bzw. wo letzteres der Fall nicht ist, einen bescheuerten Schritt zurück.

„Kinderehen“ sind das Thema, und ein vorgeschobener Jugend- bzw. Mädchenschutz, der mir einfach wesentlich zu weit geht.
TV-Bericht – der gar nicht mal so einseitig war sondern sogar recht vernünftig – zeigt ein 16-jähriges Mädchen, ganz offensichtlich bis über beide Ohren total verknallt und andernorts, wo das möglich ist, legal verheiratet, wird in Deutschland von ihrem Ehemann getrennt, unter strenge sittliche Aufsicht vom Jugendamt gestellt, darf ihren Partner/Freund/Mann nicht mehr ohne Aufsicht sehen und ihm droht noch die Verfolgung wegen Sex mit Minderjährigen (wenn man die Ehe als vollzogen annimmt). selbst, wenn ich das Level senke auf 14, find ich nix dran. 13, hmmmnaja, schon schwieriger – aber nicht prinzipiell verwerflich. wahrscheinlich ist für mich persönlich die Grenze, bei der ich sage, da funktioniert das in aller Regel noch nicht mit echter Überlegung und freier Entscheidung, so bei zwölf Jahren.

übrigens, mit Einverständnis des Familiengerichts und volljährigem Ehepartner kann man auch in Deutschland ganz legal mit 16 heiraten…

damals™, in meiner Jugend, also vor vielen vielen Generationen *packt den Gehstock aus*, und jetzt hoffe ich, dass mich meine Erinnerung nach all den Jahren nicht zu sehr trügt. jedenfalls, da war das so, dass man mit 14 „wesentlich“ werden durfte, wenn das zweite Beteiligte noch keine 18 war. war eins schon über 18, musste das Jüngere 16 sein, damit alles seine ethisch-moralische Ordnung hatte. aber im Grunde genommen wurde den Teenies zugestanden, mit 14 herum die Reife erlangt zu haben, dass sie selbst drüber entscheiden können, ob sie Sex haben wollen oder nicht.

dann verprüdete das gesellschaftlich und folglich gesetzgeberisch auf einmal wieder – war zumindest mein Gefühl bei der Sache. subjektiv fand ich es weniger durchsichtig als da, als es mich noch betraf. ich steig ehrlich gesagt nicht auf Anhieb durch und find es auch zu unhandlich, um es hier wiederzugeben. beide gleich alt macht noch am wenigsten Probleme, je älter eins wird, desto komplexer wird dann alles, aber bei 21 ist wieder Schluss mit differenzieren, 21 oder 51 ist dann schon wieder egal, was ich auch unpassend finde.
bescheuerte Randregelung: zwei 15-jährige dürfen zusammen tun, was sie wollen, aber wenn sie sich mit dem Kontext im Sinn fotografieren, fällt das unter jugendpornographische Schriften *facepalm*.
aber unterm Strich nach wie vor: im Großen und Ganzen ist gesetzlich ziemlich OK, wenn ≥14-jährige aktiv sind, und ausnahmsweise auch, wenn 16-jährige heiraten.

so und jetzt zur Religionskritik: dass ich nicht befürworte, 8-jährige Kinder zu verheiraten, steht hoffentlich außer Frage.
aber unter dem Deckmäntelchen des (vor allem) Mädchenschutzes mit dem moralischen Zeigefinger auf Partnerschaften zu deuten, nach denen sich keiner umdreht, ganz platt gesagt, solange „sie“ kein Kopftuch aufhat, ist mir zu billig, zu einfach, zu eindimensional, zu prüde, zu spießig, zu blöd.

hätte mir jemand diesbezüglich Vorschriften machen wollen, als ich 14, 15 war, ich hätte der Person aber was gehustet.
sehr früh eingegangene Partnerschaften können halten, oder auch nicht. wie jede andere Partnerschaft auch.

wenn man ’nem Menschen zugesteht, so einsichtsfähig zu sein, dass er für begangenes Unrecht auch gradestehen muss – also die Strafmündigkeit –, dann entbehrt es für mich nachvollziehbarer Logik, dass die Fähigkeit zu einvernehmlicher Partnerschaft und Sexualität viel später entwickelt werden soll.

gegen Kindesmissbrauch und Kinderehen vorgehen – jederzeit d‘accord.
Beziehungen mit jugendlichen Beteiligten (pauschal) zum Religionsbashing heranziehen – abgefuckter Bullshit.

Vorsätze

Gute Vorsaetze

ich krieg einfach spontan meine Zweifel an der Durchdachtheit einer solchen Liste, wenn sie schon mit „get up early“ anfängt.
was soll dadurch besser sein? was ist positiver, erfolgreicher, mehr „Wachstum“ daran, früher 8 Stunden zu schlafen als später?

dann: „invest in your health“. weil es ja auch gesicherte Erkenntnisse gibt, wie man seine Gesundheit wirklich und 100%ig fördern kann – und nicht nur Ansichten, Ideologien und Dogmen. meine persönliche Ansicht ist: Verkneifen macht verkniffen, dauernd schlechtes Gewissen macht krank, Wohlbefinden und Glücksmomente sind auch dem Körper und der Gesundheit zuträglich. wenn sich daraus überhaupt etwas ableiten lässt, dann vllt ein wenig Mäßigung.

„avoid time wasters“. klingt klug. niemand verschwendet gern Zeit, denn Zeit ist ja schließlich auch Geld, und ich brauche ja jede Menge Zeit, um in meine Gesundheit zu investieren, Bücher zu lesen (im Übrigen natürlich nur Ratgeberliteratur, Belletristik zählt natürlich unter time wasters) und:

meine Ziele aufzuschreiben. extrem wichtig, da kann ich mir dann am Jahresende besonders gut anschauen, welche Sau am Jahresanfang durchs Dorf getrieben wurde, und wie oft sich die Mode an Zielen, die man haben muss, unterm Jahr geändert hat. angeblich verwirklichen ja Leute, die ihre Ziele aufschreiben, sie auch eher. ich zweifle da aber gern die Erhebungen an, denn die, die sich, meist im Psychologie-Grundstudium, an solchen Erhebungen fortgeschrittener Kommilitonen beteiligen, sind so hochmotivierte junge Studienanfänger, die erfüllen das Untersuchungsziel schon aus purer Begeisterung freiwillig.

(Hoppla. akademische Erstkontakte bewiesen, unleserlichen Schachtelsatz produziert. nochmal in einfach:
solche Erhebungen zu Zielerfüllung erlebte ich ca 10 während meiner Studienzeit. machte allerdings nie mit, u.a. weil mir die Fachrichtung unsympathisch war/ist.
es machten aber genug Kommilitonen im Grundstudium mit, ganz begeistert von den tollen!, innovativen und superhilfreichen Konzepten. bei solchen Probanden erscheint einleuchtend, dass die Erfolgsquote im Experiment ein wenig höher liegt als bei einer rein zufälligen Stichprobe,ne? Exkurs in besserem Deutsch Ende)

aber: was sind denn meine Ziele? die Punkte auf dieser Liste? das wäre brav, gell?
was, wenn ich sowas nicht habe? wenn sich mein Ziel darauf beschränkt, mich nicht noch tiefer in die Scheiße zu reiten, oder auch mich einfach nicht mehr so unnütz über blöde Bilder im Internet aufzuregen? das ist trivial genug, dass ich dran denken kann, ohne es aufzuschreiben.

„make it a year of growth“ – schon mal davon gehört, dass Wachstum Grenzen hat? und was soll wohin wachsen? die Frage stellt sich offenbar gar nicht. Wachstum ist heutzutage offenbar ein sich selbst erklärender und rechtfertigender Selbstzweck.

um sinnvoll zu sein, bräuchte das Bild nur einen einzigen Satz: don‘t give a shit on anything anyone tells you.
damit wäre wirklich alles gesagt.

aber der Trend ist nun mal Selbstoptimierung.
smarter, not harder.
wer mit sich zufrieden ist, verharrt in Stillstand, verweigert Wachstum, konsumiert am Ende keine Ratgeber mehr um sich über den aktuellsten Trend in Sachen richtige Bücher, was ist Zeitverschwendung, Gesundheitsbewusstsein, „smart“ arbeiten zu informieren. wer mit sich zufrieden ist, glaubt am Ende nicht mehr, dass mehr von irgendwas (vor allem natürlich: Geld) glücklicher macht – ja, verweigert die Beteiligung an der Gesellschaft! und das geht ja nun wirklich nicht…

alles hat ein Ende…

O.M.G.
Wurst ist krebserregend.
wir werden alle sterben!
denn eine andere Studie besagte auch schon, dass Vegetarier ein höheres Darmkrebsrisiko haben.
oha.

vllt. liegt es auch nur einfach daran, dass die Menschheit bis dato noch generell sterblich ist, und früher oder später an irgendwas eingeht. Gifte, Unfälle, Erkrankungen ohne klare Ursache, Erkrankungen mit zugeschriebener Ursache. unterm Strich alles mehr oder weniger tödlich, aber auch das weniger tödliche führt nicht dazu, dass das Ende unendlich hinausgezögert wird. die Endlichkeit und finale Überschaubarkeit der Existenz stellt aber nach wie vor ein Tabu dar, ein Denkverbot geradezu.

möglicherweise hat das ja jetzt auch ein bisschen was Gutes, und Futteralternativen neben Fleisch rücken ein bisschen mehr in den Fokus.

ich wäre aber nicht ich, wenn mir nicht ein großes Menetekel vorschweben würde: wer Fleisch isst, verhält sich gesundheitsgefährdend und hat dementsprechend Nachteile zu erwarten, in Form von Sanktionen z.B., oder es wird gleich generell reglementiert.
remember Demolition Man, verboten sind Kontaktsportarten, scharfe Gewürze, Fleisch, Salz, der Austausch von Körperflüssigkeiten… wir nähern uns dem an.

Warum eigentlich nicht vegan?

Ooooouh, heißes Eisen?
Ach Quatsch. Auf Halde liegt immer noch ein Veganer-Bashing, das ich irgendwann™ mal fertig ausarbeiten will. Heute aber trotzdem andersherum.

Aus diversen Gründen „teste“ ich jetzt schon ein gutes Jahr, wie man sich so vegan ernähren kann und wo es schwierig ist.
Entsprechend gehört der Blick auf die Zutatenliste inzwischen zum Standardrepertoire beim Einkaufen. Erstaunlicherweise schrappen sehr viele Produkte um Haaresbreite an der Veganität vorbei, bis dann kurz vor Schluß doch noch „Milchpulver“, „Käsepulver“ oder sowas auftaucht.
Diese Zutatenlisten sind generell so, dass sie nach Anteil am Produkt sortiert sind. Was ganz hinten in der Liste steht, macht also vllt. noch 3% am Gesamtprodukt aus. Oder aber der Anteil wird in der Liste ohnehin schon mit angegeben.

Da stieß ich dann auf Salatmayonnaise, mit 0,8% (!) Ei. Ansonsten vegan. Und frage mich: Muss das denn noch? Könnt ihr das nicht auch noch rauslassen?

Oder das Gumminaschwerk vom „anderen“ Hersteller, die tatsächlich stellenweise auf Schweinegelatine verzichten und stattdessen mit Pektin u. dgl. festigen. Super, echt klasse – aber warum muss dann ins Produkt ohne Gelatine, das kein Joghurt-Gummi ist, Magermilchpulver?

Gestern hatte ich Lust auf Chips. Was zur Hölle sucht Käsepulver in Chips der Geschmacksnote „Hot Paprika“?

Das sind so die Momente, wo ich echt ratlos im Laden stehe, und nicht weiß, und mir auch nicht ansatzweise vorstellen kann, welche Hexenkunst Produktdesign im Food-Sektor heute sein muss, wenn auf diese Weise herumgetrickst werden muss.