Archiv der Kategorie 'Konsumterror'

Markenwahnsinn / tiiieeef durchatmen… AAAAHHH! #4

aus Langeweile hab ich irgendwann angefangen, Marktforschungsumfragen auszufüllen (und ab und zu springt auch ein Gutschein dabei raus). außerdem hab ich zugegebenermaßen Spaß dran, manchmal einfach die Varianz zu erhöhen und zT halt auch die Sichtweise einer Misfit mit in die Umfrage einzuschleusen.

Nebeneffekt ist dabei, dass mir immer wieder Fragen und Konzepte unterkommen, bei denen der *Facepalm* bei weitem nicht ausreicht, um meiner Fassungslosigkeit Ausdruck zu verleihen. Fassungslosigkeit, was man einer Marke oder einem Produkt alles zuschreiben kann.

Klassensieger heute ist die Frage, welche der Marken „die Grundlage liefert für die vielen Herausforderungen, die im Leben auf mich warten.“
ich hab abgedeckt, um was es bei der Umfrage ging (am Ende werd ich von weiteren Teilnahmen noch ausgeschlossen *huch!*), aber es geht um ein banales Grundnahrungsmittel.
keine hochtrabende Nahrungsergänzung oder Superfood, auch keine mitgelieferte Philosophie, nein, ein einfaches Grundnahrungsmittel, das vermutlich in 98% aller Haushalte zu finden ist.

Marken_als_Grundlage_für_Herausforderungen_des_Lebens

aber vielleicht habe ich die Frage ja auch missverstanden, und das Produkt ist schon die erste Herausforderung, die im Leben auf mich wartet…?

es gibt noch ein paar weitere, ganz tolle Zuschreibungen, die Werber/ Marketingleute/Marktforscher/??? benutzen, um möglichst treffsicher das Brutzeln zu verkaufen, und nicht das Steak, bzw. … (vgl. Ferengi-Erwerbsregel 146: a.) Verkaufe das Brutzeln, nicht das Steak b.) Wenn möglich, verkaufe weder das Brutzeln, noch das Steak, sondern selbstdichtende Schaftbolzen) – ich werde die nach und nach dokumentieren, wenn sie mir unterkommen. da warten noch ein paar echt idiotische Klopper…

tiiieeef durchatmen… AAAAHHH! #1

gegenderte Süßigkeiten.
Überraschungs-Eier für Mädchen. mit mädchenspezifischen Spielzeugbeigaben.
jetzt neu: geschlechtsspezifische Smarties.

ich glaub, es hackt!

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mir ist zum Schreiben meistens zu grantig. da beißt sich die Motivation fürs Blog in den eigenen Schwanz.
ein Versuch der Abhilfe passiert hier, Kurzstoßsteufzer bzw. Kurzstoßschreie künftig unter der Rubrik „tiiieeef durchatmen… AAAAHHH!“ – durchatmen hilft eben nicht.

Bibigirl

„Kochen sei nach wie vor in, zudem gebe es einen anhaltenden Gesundheitstrend. „Gesundes Kochen, gesunde Ernährung, bewusste Zubereitung von Speisen – dazu benötigt man die passenden Geräte.“ (Quelle)

„Ich will noch mehr Sachen haben.“
„Man muß nur immer mehr und mehr haben, dann langweilt man sich niemals.“
(Michael Ende, Momo, ebenso die Artikelüberschrift)

Warum eigentlich nicht vegan?

Ooooouh, heißes Eisen?
Ach Quatsch. Auf Halde liegt immer noch ein Veganer-Bashing, das ich irgendwann™ mal fertig ausarbeiten will. Heute aber trotzdem andersherum.

Aus diversen Gründen „teste“ ich jetzt schon ein gutes Jahr, wie man sich so vegan ernähren kann und wo es schwierig ist.
Entsprechend gehört der Blick auf die Zutatenliste inzwischen zum Standardrepertoire beim Einkaufen. Erstaunlicherweise schrappen sehr viele Produkte um Haaresbreite an der Veganität vorbei, bis dann kurz vor Schluß doch noch „Milchpulver“, „Käsepulver“ oder sowas auftaucht.
Diese Zutatenlisten sind generell so, dass sie nach Anteil am Produkt sortiert sind. Was ganz hinten in der Liste steht, macht also vllt. noch 3% am Gesamtprodukt aus. Oder aber der Anteil wird in der Liste ohnehin schon mit angegeben.

Da stieß ich dann auf Salatmayonnaise, mit 0,8% (!) Ei. Ansonsten vegan. Und frage mich: Muss das denn noch? Könnt ihr das nicht auch noch rauslassen?

Oder das Gumminaschwerk vom „anderen“ Hersteller, die tatsächlich stellenweise auf Schweinegelatine verzichten und stattdessen mit Pektin u. dgl. festigen. Super, echt klasse – aber warum muss dann ins Produkt ohne Gelatine, das kein Joghurt-Gummi ist, Magermilchpulver?

Gestern hatte ich Lust auf Chips. Was zur Hölle sucht Käsepulver in Chips der Geschmacksnote „Hot Paprika“?

Das sind so die Momente, wo ich echt ratlos im Laden stehe, und nicht weiß, und mir auch nicht ansatzweise vorstellen kann, welche Hexenkunst Produktdesign im Food-Sektor heute sein muss, wenn auf diese Weise herumgetrickst werden muss.

Erwerbsregel Nr. 146

„Verkaufe nicht das Steak, verkaufe das Brutzeln“

Früher mußte ich darüber noch lachen. Denn natürlich kann man das Brutzeln viel öfter verkaufen als ein einzelnes Steak, nämlich ungefähr so lange, bis das Steak jenseits allen Brutzeln verkohlt ist. Insofern wirkt das ja eigentlich ganz amüsant und eigentlich sogar clever.

Inzwischen hat der Spruch aber von der Realität eine Konnotation erfahren, von der mir grundsätzlich schlecht wird.
Verkauft werden soll nicht mehr das Steak, oder das Brutzeln, sondern die Illusion, dass durch den Besitz von teils Steak, teils Brutzeln die ganze Hipness, Fitness, Glückseligkeit und Perfektion der Werbefiguren auch auf den (gehorsamen) Konsumenten abfärbt.

Aktuelle Spitze des Eisbergs war grade ’ne Werbung, die mich echt auf die falsche Fährte lockte. Viel Sound, Shazam ward auch erwähnt, aber eigentlich ging ’s angesichts von ungefähr einem Dutzend hipper junger musikalischen Menschen um ihre Hosen. Hoppla. Darauf wäre ich nicht gekommen.

Nur Leute, Werbetreibende und euch vorhergehend noch viel dringender, Produktpfleger und -entwickler:
Ich will nicht dauernd eine neue Sorte Steak, ich will auch kein neues Brutzeln, und ich will erst recht kein Image. Ich will das kaufen können, was mir vorschwebt. Und mit solchem Bullshit kommt euer Kram sicher nicht auf meine Liste.