Archiv der Kategorie 'Panik und Desaster'

Handschuhe! Bloß nicht mit bloßen Händen!

logisch. bestimmte Berufe sollten bei der Ausübung ihrer Tätigkeit bitte schon Handschuhe tragen. Ärzte, Sanitäter, Tätowierer, der Pflegesektor, generell Leute, die direkt mit menschlichen Körperflüssigkeiten in Berührung kommen.

bei Verkaufspersonal an der Brot-/Wurst-/Käsetheke oder auch am Stand, da find ich’s schon nicht mehr so eindeutig. da wird in den Handschuh geschlupft, das (zB) Brot eingetütet und mit dem Lebensmittelhandschuh noch das extrem dreckige Geld angefasst – das dreckiger ist als die meisten Klobrillen. danach dann mit eben dem gleichen Handschuh wieder ans Lebensmittel – da graust’s mir wesentlich mehr als beim Hautkontakt. Überhaupt find ich da das Gehandschuhe höchstens noch am Wochenmarkt leidlich angebracht, wo man nicht dauernd fließend Wasser zum Händewaschen zur Verfügung hat. Aber bittschön, Geld ist echt dreckiger als Klofinger…

was ich aber wirklich total überdreht finde, sind die schicken bzw hippen Köche, die vor lauter Coolness die schwarzen Handschuhe der Tätowierer tragen. find ich persönlich einfach völlig überzogen und gleichzeitig total typisch für die Zeit. Hygienewahn galore, bloß nichts, aber auch gar nichts, mit bloßen Händen anfassen.
gleichzeitig geht dabei aber der Bezug zum „Werkstoff“ verloren, so ein Gummihandschuh trennt einfach. hat sich eins geschnitten, klar, oder eine Allergie, keine Frage, soll bitte den Handschuh tragen, vor irgendwas schlimmer wird oder sonst noch was.

aber ich find, wer kocht, soll das Essen auch anfassen, auch sinnlich erleben bei der Arbeit damit, sonst fehlt dem „Werkstoff“ die Behandlung auch – an manchen Stellen kommt die Erkenntnis langsam durch, dass diese Sterilität die guten Ergebnisse von früher verhindert, insbesondere im Brauhandwerk, das zwar auch mit dem Craft-Wahn nicht nur Gutes erfährt. aber dort hat man wenigstens schon ansatzweise kapiert, dass früher nun mal einfach alles mit der Haut in Berührung kam, und die nicht-sterile Haut da auch nicht geringen Einfluss aufs Ergebnis hat, grade im Bezug auf Hefepilze leuchtet das ja auch ziemlich leicht ein, oder? jetzt saugen sie verzweifelt in alten Gärkellern Luft ein, in der Hoffnung, noch ein, zwei Sporen der alten Hefe einzufangen und vllt. nachzüchten zu können – packt die übertriebene Hygiene weg, lasst die Sachen wieder Kontakt haben mit denen, die sie herstellen, dann findet sich das von allein. Brauer und Hefe werden zu einer einmaligen Mischung, sorgen für den ganz individuellen Effekt.

zum sinnlichen Erleben nochmal, da wird das beschworen, sich Zeit zu nehmen, das Einfache auch wieder schmecken und genießen zu lernen, ein einfaches Brot mit Butter und vllt. ein paar Körnern Salz drauf, das muss man den Leuten förmlich wieder beibringen, welche Geschmackswelten sich darin verbergen, vorausgesetzt man hat nicht den allerletzten Rotz aus der Nahrungsmittel-Billigindustrie. auf den Karten der hippsten Restaurants steht nicht mehr „Schweinelendchen mit dem Gratin von blauten und roten Kartoffeln an einer Gemüsejus“ (wieso eigentlich bestimmte Artikel? verstehen solche Schreiber ihr Gratin als den Inbegriff aller Gratins? DAS Gratin?), sondern „Schwein – Kartoffel“. Gekocht wird nicht minder raffiniert, auch gewürzt, aber das Augenmerk schon mal aufs Wesentliche gelenkt. die Esser sollen auch mal ab und an ihr Essen: Anfassen. auch mit diesem Sinn erleben. aber dem Essen will man nicht gönnen, dass es auch sinnlich behandelt wird und mit den Herstellern in Kontakt tritt – ich glaube und behaupte: Essen, das keinen Hautkontakt hat, sondern nur mit Handschuhen angefasst wird, entbehrt einer wichtigen – nein, nicht Erfahrung *lol* – Zutat, Behandlung, die wichtiges bewirken kann am Endergebnis. evtl. auch, weil dasjenige, das kocht, auch sinnlicheres Erleben hat beim Kochen, wenn es die Bestandteile wirklich anfassen kann und nicht nur packen, sondern auch fühlen.

Zuschauer von Kochsendungen, die allen Ernstes Leser- bzw. Seherbriefe schreiben an die Sender, wenn der Koch sich erdreistet, mit einem ableckten Löffel nochmal in den (oft genug noch wallend kochenden!) Topf zu fassen, passen ja in die selbe Schublade. „Iiiiih, mein Essen hatte Kontakt mit dem Koch!“ – mich ekelt massiv vor Menschen, ich weiß nicht, ob man das allgemein so aus dem Blog rauslesen kann, aber grds ist das so: überfüllter ÖPNV, Teppichboden in Hotels, gebrauchte Plüschtiere usw verlangen mir extrem viel Selbstkontrolle ab, um nicht alles zu desinfizieren oder kurzerhand zu brechen, aber dass Essen einfach grundsätzlich in seiner Herstellung in Kontakt mit Menschen kommt, das ist der Sache immanent und kein Grund, nicht mal für mich, vor lauter Furcht vor menschlichem Abrieb und dem kleinsten Keim sozusagen in Reinräumen kochen zu lassen.

Aber nein, wir rücken in den Städten immer näher zusammen und ekeln uns gleichzeitig immer mehr voreinander, dabei vermutlich noch am meisten vor uns selbst. es darf nichts mehr mit dem Menschen in Berührung kommen, der es herstellt, damit der auch schön ersetzbar bleibt und nicht der individuelle, und sei es auch „nur“ der mikrobiologische, mikrobielle, Einfluss den einfachen Handwerker auf die Fallhöhe von Künstlern erhebt. alles wird stilisiert und sterilisiert bis zur völligen Beliebigkeit und maschinellen Reproduzierbarkeit, der individuelle menschliche handwerkliche Faktor wird bei aller vorgeschobenen Nostalgie doch negiert und rausgekürzt bis er nicht mehr vorhanden ist, und der Konsument auf der Suche nach den guten alten Dingen (wie) von früher steht davor und kommt einfach nicht drauf, was da fehlt, damit es so würde, wie er es sich erhofft hat, denn er hat doch (Ur-)Omas Kochbuch genauestens befolgt. mit Gummihandschuhen. finde den Fehler.

2017 direkt weiterkotzen

31. Dezember 2016 gg. 23h, die Polizei Köln twittert mit ihrem offiziellen Account:

#PolizeiNRW #Silvester2016 #SicherInKöln: Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen.

inkl. Bild mit entsprechender Unterschrift „Kontrolle von Nafris am Hauptbahnhof“
(Link zum Tweet)

was, zur Hölle, ist ein Nafri?
die Frage stellt sich auch in den Kommentaren zum Tweet und wird dort auch schnell beantwortet: „Nafri“ steht für „Nordafrikanische Intensivstraftäter“

OK. die Polizei Köln hat also ausgerechnet zum Silvesterabend mehrere Hundert Bekannte Straftäter zum Bahnhof gebracht, um sie dort zu überprüfen. irgendwie unvorsichtig, oder?
achso nein, so ist das nicht gemeint?

ah, die Aufklärung sieht so aus:
viele Leute wollten wie letztes Jahr unterm Dom – also gleich beim Hauptbahnhof – Silvester feiern. wegen der unglückseligen Vorfälle letztes Jahr hat die Exekutive in diesem Jahr einen bestimmten Personenkreis schon im Bahnhof abgefangen und vor dem Zutritt zum Domplatz gesondert kontrolliert.
so weit, so gut

unerträglich unappetitlich dabei:

  1. abgefangen und ausgesondert wurden praktisch ausschließlich Personen, die augenscheinlich einer bestimmten Gruppe zugeordnet werden können, nämlich Nordafrikaner und evtl. auch Südeuropäer.
  2. diese Personen wurden in der Mitteilung via Twitter pauschal als Intensivstraftäter vorverurteilt, obwohl sie dort lediglich zur Kontrolle standen. es gab insgesamt 6 (!) Festnahmen, bei Anwesenheit besagter Intensivstraftäter wäre wohl auch von einigen Festnahmen mehr auszugehen gewesen zB wg. vorhandener Haftbefehle
  3. der Polizeipräsident rudert am nächsten Tag zurück, man hätte „Nafri“ nicht nach außen kommunizieren sollen.
  4. der gesamte rassistische Mob in Kaltland feiert das Vorgehen und geht mit verbalen Fackeln und Heugabeln gegen alle Kritiker vor

ad 1)
Das ist schlicht und einfach racial profiling. da gibt es nichts dran schönzureden. die Menschen wurden schlicht und einfach anhand optischer Kriterien herausgegriffen. da liegt nicht mal der unten aufgeführte Zeit-Kommentar richtig, wenn er von „nordafrikanischen Männern ohne Begleitung“ schreibt. es gibt etliche Zeugenberichte von gemischten Freundesgruppen, aus denen auch Türken, Griechen etc., herausgegriffen wurden und zumindest vorerst am Betreten des Platzes gehindert.
umgekehrt wurden bekanntermaßen nicht weniger übergriffige an- bzw. betrunkene deutsche bzw. hellhäutige männliche Personen keines Blickes gewürdigt.

ad 2)
nochmal der Reihe nach. „Nafri“, leider muss ich die unsägliche Vokabel noch ein paar Mal benutzen, bezeichnet Intensivstraftäter – also Personen, die mehrerer Straftaten überführt werden konnten. in der Warteschlange vor dem Domplatz standen Personen, die im Bahnhof aufgrund ihres Äußeren aus der Menge herausgegriffen wurden. sie sind also höchstens verdächtig, aber keineswegs nachgewiesenermaßen Straftäter. mag sein, dass die Exekutive auch Verdächtige unter den selben Hut schiebt wie nachgewiesene Täter. das würde in der Tat einiges erklären, was man im Laufe der Jahre so alles erlebt hat. abseits des Polizeijargons und des Dienststellendenkens ist eine solche Bezeichnung aber schlicht sachlich falsch und logisch nicht haltbar.
im aktuellen Zusammenhang ist die Bezeichnung auch noch geeignet, bestehende Ressentiments zu verstärken – vllt. könnte man da sogar über Volksverhetzung nachdenken.

ad 3)
am nächsten Tag kam einiges zum Hintergrund dieses Begriffs „Nafri“ auf. er stammt wohl aus einem internen Papier der Polizei Köln oder NRW (ich hab mir nicht jedes Detail reingetan, imho tut es auch nichts zur Sache, wo genau das Papier entstanden ist). dem Kölner Polizeipräsident Mathies zufolge hätte der Begriff nicht nach außen kommuniziert werden sollen.
im Dienstgebrauch ist es aber total in Ordnung, schon einen griffigen Begriff zur Hand zu haben, damit man potentielle Verdächtige gleich in die richtige Schublade stecken kann…?
das klingt viel zu theoretisch-psychologisch, aber es ist doch auch nicht von der Hand zu weisen: wenn es für etwas einen eigenen Begriff gibt, wird es greifbar(er). wenn eine bestimmte Gruppe einen eigenen Oberbegriff bekommt, im strafrechtlichen Kontext, dann wird man vermutlich annehmen, dass es dafür einen Grund geben muss, dass ausgerechnet die schon einen eigenen Namen bekommen haben.
aber gesonderter Name hin oder her: „nordafrikanische Intensivstraftäter“ – die kann man NICHT anhand der Hautfarbe, Kleidung, Dialekt, Akzent, Muttersprache etc. VORAB erkennen. kein Normalmensch und keine Exekutive. entsprechend kann sie auch keiner absondern, um andere Einlasskontrollen vorzunehmen.
vielleicht bin ich naiv, aber ich bin der Meinung, die Exekutive hat neutral zu sein, zu handeln, zu kommunizieren. wenn die Exekutive sich von Vorurteilen, Stereotypen und einfachen Begrifflichkeiten lenken lässt, und sei es nur unbewusst (zB weil ein leichtfertig eingeführter Begriff die Wahrnehmung geprägt hat und keine Reflexion drüber passiert), gefährdet das imo die ganze Demokratie.

ad 4)
das Geifern und Kreischen durch alle Kommentarzonen kann man sich kaum vorstellen, es ist widerwärtig, beängstigend, und ekelerregend. der Boden bereitet seit „das wird man ja noch sagen dürfen“ ist die Ernte bald reif und mir wird Tag für Tag schlecht, dabei vermeide ich schon fast alles, was auch nur aussieht wie ein Leserkommentar.
schlimmer noch, selbst Leute, die innerhalb ihres eigenen Kommentars herumschwimmen mit „Ich weiß, das klingt schlimm, ich mag das auch eigentlich gar nicht schreiben“ (und aufgrund der Umstände, unter denen ich den Kommentar mit diesem Zitat gefunden habe, bin ich einfach mal so wagemutig (oder doch nur naiv?) und unterstelle nicht, dass es sich nur um eine Abwandlung von „ich bin ja kein Nazi, aber“ handelt), kriegen den mentalen Sprung nicht hin, auf die Frage, „was hätte die Polizei denn machen sollen?“ schlicht logisch und folgerichtig zu antworten:
1a) alle komplett kontrollieren/generelle Zugangskontrollen am Domplatz (in Sachen „geht logistisch nicht“: in Frankfurt/Main hat man das für Mainufer und Brücken kurzerhand so praktiziert) oder
1b) generell „nur“ stichprobenartig kontrollieren; jedenfalls für 1a) als auch 1b) sich nicht auf eine Subgruppe Silvesterfeiernde beschränken
2) präventive Präsenz auf dem Domplatz zeigen und als Ansprechpartner erkennbar und erreichbar sein
3) auf gar keinen Fall diesen Tweet mit dieser Wortwahl veröffentlichen.
die nicht-gemäßigten Stimmen, die Geiferer und Eiferer ziehen jetzt über jeden her, der es wagt, zu sagen, das Vorgehen war nicht 100% in Ordnung, Ton und Ausdrücke, die da benutzt werden, kann, aber will man sich nicht vorstellen. bei Licht betrachtet kann das aber auch nicht mehr überraschen. das Geschrei in den Kommentarzonen müsste man inzwischen eigentlich gewöhnt sein. verwundern braucht es einen also nicht mehr, deswegen muss es einen aber auch noch lange nicht kalt lassen.
so oder so. die Exekutive hat in meinen Augen unabdingbar neutral zu sein, wie grade schon erwähnt. wo sie das nicht hinbekommt und/oder sich auch ganz offenkundig daneben benimmt, muss Kritik nicht nur erlaubt sein, sondern verkraftet werden und noch viel mehr: Angenommen werden und konstruktiv umgesetzt.
„hätte nicht öffentlich verwendet werden dürfen“ ist übrigens keine konstruktive Umsetzung…

Inzwischen gibt es zum Glück auch einen Artikel in der offiziellen Presse, der ebenfalls Kritik am Vorgehen und den Stimmen dazu übt: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-01/polizeieinsatz-koeln-silvester-racial-profiling/komplettansicht. Seit ich den gelesen hab, und ich hoffe, ich hab da nicht nur reingelesen, dass er nicht auf Seiten der Rassentrenner steht, bin ich nicht mehr zu 110% verzweifelt über die Welt. Aber immer noch zu 100%, denn ich befürchte, es ist reichlich gefährlich geworden in diesem Land. Hoffentlich haben wir noch Zeit und Gelegenheit, zu verhindern, dass sich alles wiederholt, von dem doch eigentlich alle sehen müssten, dass wir uns drauf zu bewegen – und dass das auch 80 Jahre später nicht gutgehen kann.

Böllerei

Regelmäßig und termingerecht wird zum Jahreswechsel mit diversen Argumenten die Böllerfraktion aufgefordert, das Knallen zu lassen, weil.
In erster Linie kommen da 3 Hauptargumente zur Sprache.

  • nur die Unterschicht, die ja bekanntermaßen gleichgesetzt ist mit wirtschafltich benachteiligten Bevölkerungsschichten, böllert. gerne erweitert um „die Kinder können sie nicht gescheit ernähren, aber einen Riesenflatscreen und für 100€ Feuerwerk, DAS können sie sich leisten, die Schmarotzer“
  • Brot statt Böller
  • Hunde, Katzen, Haustiere sind total terrorisiert von dem Geknalle
  • zum ersten Punkt lass ich mich mal nicht aus, das Argument ist SO bescheuert, dass mir eh nichts dazu einfällt außer: Bitte mal auf Discounter- und Baumarktparkplätzen gucken, welche Sorte Unterschicht da wagenweise Feuerwerk einlädt: die Unterschicht mit SUV und/oder Kombi mindestens der oberen Mittelklasse. dass es sich dabei nicht grade um die so gern geschmähten Leistungsempfänger handeln kann, sollte auf der Hand liegen. aber uuh, das würde ja am Weltbild wackeln. also lassen wir das einfach beiseite.

    zwotens. die Summe, die man für Feuerwerk anlegt, doch lieber spenden. an sich ne nette Idee. doch. kommt aber in anderen Monaten noch besser, wenn das Aufkommen nicht so saisontypisch in die Höhe schießt. wenn es im Dezember reicht, könnte es im März evtl. auch gehen?
    außerdem bin ich gegen Methoden, bei denen man sich selbst was verkneift, um die Welt zu verbessern – verkneifen macht verkniffen, und moralinsaures Verkniffensein ist das Letzte, was ich ertragen kann.

    dann die Haustiere, die das Geknalle nicht aushalten. ich muss da leider ganz fies aus dem eigenen Erfahrungsschatz berichten – und weiß sehr genau, dass Einzelfälle nichts beweisen, und saubere Argumentation wahrlich anders aussieht. trotzdem: seit den 80er Jahren wohn(t)en wir mitsamt unseren Haustieren in der Dorfmitte, Hauptstraße – und auch wenn sich das wegen „Dorf“ recht idyllisch anhört, der Pulverdampf hing nach den gängigen 30 Minuten Feuerwerk noch weitere 30 Minuten dick in den Straßen und Nebenstraßen, also die ländliche Bevölkerung lässt sich da auch gar nicht lumpen. soviel zur Einführung, damit die Vorstellung sitzt, mit welchem Feuerwerkslevel es unsere diversen Katzen und Hunde in rd. 30 Jahren zu tun hatten.
    von 6 Katzen und 2 Hunden in der Zeit hat ein einziges Hundchen sich etwas nervös gezeigt, wenn am 29. Dezember nachmittags die ersten vorzeitigen Explosionen (Fachbegriff: Explosio praecox) zu vernehmen waren. dann nahmen wir uns die Kleine kurz zur Seite, haben ihr den Schmarrn erklärt, und dass doch alles OK ist, wir sind doch auch alle ganz ruhig, und ab da reichte ihr ein Kontrollblick, ob wir uns aufregen oder nicht. fertig. Ende der Aufregung. der Rest der Menagerie brauchte auch diese kleine Intervention nicht.
    die These, die in der Formulierung mit psychologischen Begriffen ziemlich ketzerisch umgeht, fiel mir so leider erst dieses Jahr ein: „Sicher gebundene Haustiere haben keine Angst vor Feuerwerk“ – wenn der Hausmensch eine Vertrauensperson für das Viechzeug ist, dann regt es sich auch nicht über das Feuerwerk auf.

    ein wesentlich besseres Argument gegen Feuerwerk – besser in der Hinsicht, als dass es mir viel besser einleuchtet –, kam mal kurz auf, ist aber irgendwie wieder in der Versenkung verschwunden. insofern weiß ich jetzt auch nicht, ob es nicht zutrifft, oder warum man nichts mehr davon hört (ist das zu PC, zu viel Gutmenscherei, sollte man bei der aktuellen Stimmung nicht noch mehr die Freiheiten der DEUTSCHEN einschränken wegen der ASYLANTEN (*) und lieber leisetreten vor dem rechtsradikalen Mob?)
    jedenfalls hieß es mal, der Kriegssound sei für zweifelsohne traumatisierte Flüchtlinge nicht grade entspannend.
    da könnt ich mit.
    aber darüber weiß man irgendwie nix.

    naja.
    mehr schlechte Laune erst wieder nächstes Jahr.
    laut oder leise, einzeln oder mit allen, guten Rutsch nach 2017.

    (*) das Wort benutze ich ansonsten nicht. absichtlich und ausdrücklich. an der Stelle nur um die Richtung zu verdeutlichen, der da nach dem Mund geredet würde, würde so tatsächlich argumentiert. was sich meiner Kenntnis entzieht, wie ich schon geschrieben hab.

    alles hat ein Ende…

    O.M.G.
    Wurst ist krebserregend.
    wir werden alle sterben!
    denn eine andere Studie besagte auch schon, dass Vegetarier ein höheres Darmkrebsrisiko haben.
    oha.

    vllt. liegt es auch nur einfach daran, dass die Menschheit bis dato noch generell sterblich ist, und früher oder später an irgendwas eingeht. Gifte, Unfälle, Erkrankungen ohne klare Ursache, Erkrankungen mit zugeschriebener Ursache. unterm Strich alles mehr oder weniger tödlich, aber auch das weniger tödliche führt nicht dazu, dass das Ende unendlich hinausgezögert wird. die Endlichkeit und finale Überschaubarkeit der Existenz stellt aber nach wie vor ein Tabu dar, ein Denkverbot geradezu.

    möglicherweise hat das ja jetzt auch ein bisschen was Gutes, und Futteralternativen neben Fleisch rücken ein bisschen mehr in den Fokus.

    ich wäre aber nicht ich, wenn mir nicht ein großes Menetekel vorschweben würde: wer Fleisch isst, verhält sich gesundheitsgefährdend und hat dementsprechend Nachteile zu erwarten, in Form von Sanktionen z.B., oder es wird gleich generell reglementiert.
    remember Demolition Man, verboten sind Kontaktsportarten, scharfe Gewürze, Fleisch, Salz, der Austausch von Körperflüssigkeiten… wir nähern uns dem an.

    Fackeln und Mistgabeln

    Es gibt ja immer mal wieder so Vorkommnisse, die die schmale Grenze zwischen dem ‚anständigen‘ Volk und einem auf besondere Weise herausragenden Abweichler besonders farbenprächtig herausstreichen.

    Wieso ich grade heute auf das Thema komme, dürfte klar sein. Aber das Detail interessiert überhaupt nicht.

    Es ist absolut unwichtig, um wen es geht, und um welche – mit dem ‚gesunden Volksempfinden‘ gesprochen – Abscheulichkeit. Das spielt keine Rolle.

    Wirklich interessant ist viel mehr, wie schnell es in solchen Fällen geht, um aus vermeintlich zivilisierten und rational denkenden Menschen einen Lynchmob zu machen. Was da an Geifer und Sabber abgesondert wird, lässt die letzten paar Hundert Jahre an Aufklärung und Zivilisation glatt vergessen machen.

    Da verstehe ich dann immer wieder, welchen Volksfestcharakter Hexenverbrennungen gehabt haben müssen: Ein öffentlich erklärter Sündenbock, dem jeder sein persönliches Unbill anlasten konnte, wird aufs Grausamste vom Leben zum Tod befördert. Hinterher kann sich jeder wieder ein wenig sicherer fühlen in seinem kleinen Leben, denn das Böse wurde vernichtet.

    Davon sind wir bis heute keine 10cm entfernt.
    Und das macht mir, zumal bei der Menge der Gefolgsleute, mehr Angst als die Einzelnen, über die sich dann immer im heiligen Zorn ereifert wird.

    Nachtrag:
    Angesichts des „Drucks“ der sozialen Netzwerke will nun der bei der vorordneten Geldauflage eigentlich als Begünstigter vorgesehene Kinderschutzbund die Zahlung nicht annehmen.
    Ich kann mich da nur Udo Vetter anschließen:

    Es ist bei solchen Auflagen ja unvermeidlich, dass sie von möglichen Straftätern gezahlt werden. […]
    Will der Kinderschutzbund Niedersachsen jetzt ein Urteil nach dem Urteil fällen, zwischen gutem und schlechtem Geld unterscheiden? Ich kann so eine Anfälligkeit für offensichtlichen Populismus nicht ganz nachvollziehen.