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Das niederste, letzte, tiefste… / tiiieeef durchatmen… AAAAHHH! #8

Kommentar-Screenshot

das niederste, letzte, tiefste, die unterste Stellung in der Gesellschaft, die ein Mensch in Deutschland erreichen kann, ist Flüchtling, Moslem, Ausländer zu sein – oder Leistungsempfänger.

obiger Screenshot ist, klar, aus Facebook, von einer Seite im Stile Goldener Aluhut. eine etwas verwirrte Person schlug vor, dass sich die Menschen mit dem Durchblick doch zusammentun und auswandern sollten. das zog u.a. die abgebildeten Kommentare nach sich.

ob es Individuen gibt, die an Chemtrails glauben, an Orgon-Strahlung, Erdstrahlung, levitiertes Wasser, Autismus durch Impfungen oder die hohle Erde, bitte, geschenkt. sollen sich in ihrer Filterbubble einrichten und sich wohlfühlen, je wohler sie sich da fühlen, desto weniger kriegt man „iRL“ von ihnen mit.

erschreckend finde ich die Kommentatoren, die solche Verwirrungen nur einer Klientel zutrauen: nicht-Erwerbstätige Leistungsbezieher, ALG2-Empfänger, also logischerweise nichts als Schmarotzer (wer kam eigentlich auf die Tautologie ‚Sozialschmarotzer‘, wo sollte man denn sonst schmarotzen, als am Sozialwesen… zutiefst hirnrissiger Begriff, wenn man es sich mal klarmacht). denn ganz klar: solche Idiotie kann nur jemandem einfallen, der völlig unterbelichtet ist und deswegen auf Sozialleistungen angewiesen – gleichzeitig aber anscheinend durchtrieben und verschlagen genug, um sich die Leistungen zu erschleichen, zu schmarotzen, denn rechtmäßiger Bezug von Leistungen wäre ja kein Schmarotzertum (vorausgesetzt, es gibt rechtmäßigen Leistungsbezug überhaupt. ich bin mal so humanistisch, und setze das als gegeben voraus).

es ist wirklich bestürzend. wenn heutzutage jemand als komplett unfähig, unglaubwürdig, inkompetent, beschränkt, minderbemittelt oder sonstwie diffamiert werden soll, reicht dazu ein einziger Sachverhalt bzw. dessen Unterstellung: ist nicht erwerbstätig und bezieht Sozialleistungen.

die Propaganda-Maschinerie im Dienst der Entsolidarisierung hat ganze Arbeit geleistet.
angesichts desen, dass heute schon das Fehlen von Erwerbsarbeit ausreicht, Mensch nicht mal zweiter, sondern bestenfalls dritter Klasse zu sein – was auf dem Boden der Entsolidarisierung alles zu wachsen imstande ist oder noch sein wird, macht mir Angst.

Alt genug zum F…..

ich steh nicht auf Religion – dürfte jeder wissen, nicht nur wer mich kennt, sondern auch wer mich „nur“ liest.

ein Argument v.A. gg. eine bestimmte derzeit besonders umstrittene Religion kotzt mich aber einfach entschieden an und ich find es scheinheilig, an den Haaren herbeigezogen und mit zweierlei Maß gemessen, bzw. wo letzteres der Fall nicht ist, einen bescheuerten Schritt zurück.

„Kinderehen“ sind das Thema, und ein vorgeschobener Jugend- bzw. Mädchenschutz, der mir einfach wesentlich zu weit geht.
TV-Bericht – der gar nicht mal so einseitig war sondern sogar recht vernünftig – zeigt ein 16-jähriges Mädchen, ganz offensichtlich bis über beide Ohren total verknallt und andernorts, wo das möglich ist, legal verheiratet, wird in Deutschland von ihrem Ehemann getrennt, unter strenge sittliche Aufsicht vom Jugendamt gestellt, darf ihren Partner/Freund/Mann nicht mehr ohne Aufsicht sehen und ihm droht noch die Verfolgung wegen Sex mit Minderjährigen (wenn man die Ehe als vollzogen annimmt). selbst, wenn ich das Level senke auf 14, find ich nix dran. 13, hmmmnaja, schon schwieriger – aber nicht prinzipiell verwerflich. wahrscheinlich ist für mich persönlich die Grenze, bei der ich sage, da funktioniert das in aller Regel noch nicht mit echter Überlegung und freier Entscheidung, so bei zwölf Jahren.

übrigens, mit Einverständnis des Familiengerichts und volljährigem Ehepartner kann man auch in Deutschland ganz legal mit 16 heiraten…

damals™, in meiner Jugend, also vor vielen vielen Generationen *packt den Gehstock aus*, und jetzt hoffe ich, dass mich meine Erinnerung nach all den Jahren nicht zu sehr trügt. jedenfalls, da war das so, dass man mit 14 „wesentlich“ werden durfte, wenn das zweite Beteiligte noch keine 18 war. war eins schon über 18, musste das Jüngere 16 sein, damit alles seine ethisch-moralische Ordnung hatte. aber im Grunde genommen wurde den Teenies zugestanden, mit 14 herum die Reife erlangt zu haben, dass sie selbst drüber entscheiden können, ob sie Sex haben wollen oder nicht.

dann verprüdete das gesellschaftlich und folglich gesetzgeberisch auf einmal wieder – war zumindest mein Gefühl bei der Sache. subjektiv fand ich es weniger durchsichtig als da, als es mich noch betraf. ich steig ehrlich gesagt nicht auf Anhieb durch und find es auch zu unhandlich, um es hier wiederzugeben. beide gleich alt macht noch am wenigsten Probleme, je älter eins wird, desto komplexer wird dann alles, aber bei 21 ist wieder Schluss mit differenzieren, 21 oder 51 ist dann schon wieder egal, was ich auch unpassend finde.
bescheuerte Randregelung: zwei 15-jährige dürfen zusammen tun, was sie wollen, aber wenn sie sich mit dem Kontext im Sinn fotografieren, fällt das unter jugendpornographische Schriften *facepalm*.
aber unterm Strich nach wie vor: im Großen und Ganzen ist gesetzlich ziemlich OK, wenn ≥14-jährige aktiv sind, und ausnahmsweise auch, wenn 16-jährige heiraten.

so und jetzt zur Religionskritik: dass ich nicht befürworte, 8-jährige Kinder zu verheiraten, steht hoffentlich außer Frage.
aber unter dem Deckmäntelchen des (vor allem) Mädchenschutzes mit dem moralischen Zeigefinger auf Partnerschaften zu deuten, nach denen sich keiner umdreht, ganz platt gesagt, solange „sie“ kein Kopftuch aufhat, ist mir zu billig, zu einfach, zu eindimensional, zu prüde, zu spießig, zu blöd.

hätte mir jemand diesbezüglich Vorschriften machen wollen, als ich 14, 15 war, ich hätte der Person aber was gehustet.
sehr früh eingegangene Partnerschaften können halten, oder auch nicht. wie jede andere Partnerschaft auch.

wenn man ’nem Menschen zugesteht, so einsichtsfähig zu sein, dass er für begangenes Unrecht auch gradestehen muss – also die Strafmündigkeit –, dann entbehrt es für mich nachvollziehbarer Logik, dass die Fähigkeit zu einvernehmlicher Partnerschaft und Sexualität viel später entwickelt werden soll.

gegen Kindesmissbrauch und Kinderehen vorgehen – jederzeit d‘accord.
Beziehungen mit jugendlichen Beteiligten (pauschal) zum Religionsbashing heranziehen – abgefuckter Bullshit.

Design oder was?

aus Gründen die hier nicht erklärt werden müssen, bin ich grade auf der Suche nach einem Theme für eine Wordpress-Seite.
(nicht wirklich direkt ein Blog, sonst hätt ich das schon so geschrieben. für ein CMS auch nicht genug „Content“.)

aber hey, es ist unglaublich schauderhaft, was da als „Design“ und vor allem als „Features“ angedreht wird. wirklich jedes verdammte Theme hat ein paar Dinger, die aussehen wie bestimmte Logos, an die man sich im Web gewöhnt hat, und das ist dann dazu gedacht, zu den bekannten Social Media zu verlinken.
das schimpft sich dann Social Menu und gilt als Feature *facepalm*

dass die Themes alle in der Lage sind, sowohl auf Laptop, Tablet, als auch Handy (und wahrscheinlich auch noch auf der Smart Watch) hinreichend stereotyp gleich auszusehen, nennt sich responsive und ist natürlich auch ein Feature

nach 5 Minuten Themes durchgucken hatte ich 3 Buzzword-Bullshit-Bingo-Karten voll, eine neue Subkategorie Hipster-Mode-Phobie entwickelt und das unwiderlegbare Gefühl, dass da verzweifelt jeder versucht, so absolut exklusiv ultimativ besonders zu sein, dass der einzig entstehende Effekt ist, dass sie alle, aber auch alle gleich aussehen.

und das, was ich suche, ein „klassisches“ Theme ohne Tand, unnützen BlingBling, das mich die Beispielbilder, -menüs, -widgets und -kategorien gegen meinen Ernstfall austauschen lässt – scheint’s nicht zu geben.

Leute, kein Wunder, dass ihr mit eurem Theme-Schrott keine Kohle macht. Echt nicht. *facepalm, reloaded*

Markenwahnsinn / tiiieeef durchatmen… AAAAHHH! #4

aus Langeweile hab ich irgendwann angefangen, Marktforschungsumfragen auszufüllen (und ab und zu springt auch ein Gutschein dabei raus). außerdem hab ich zugegebenermaßen Spaß dran, manchmal einfach die Varianz zu erhöhen und zT halt auch die Sichtweise einer Misfit mit in die Umfrage einzuschleusen.

Nebeneffekt ist dabei, dass mir immer wieder Fragen und Konzepte unterkommen, bei denen der *Facepalm* bei weitem nicht ausreicht, um meiner Fassungslosigkeit Ausdruck zu verleihen. Fassungslosigkeit, was man einer Marke oder einem Produkt alles zuschreiben kann.

Klassensieger heute ist die Frage, welche der Marken „die Grundlage liefert für die vielen Herausforderungen, die im Leben auf mich warten.“
ich hab abgedeckt, um was es bei der Umfrage ging (am Ende werd ich von weiteren Teilnahmen noch ausgeschlossen *huch!*), aber es geht um ein banales Grundnahrungsmittel.
keine hochtrabende Nahrungsergänzung oder Superfood, auch keine mitgelieferte Philosophie, nein, ein einfaches Grundnahrungsmittel, das vermutlich in 98% aller Haushalte zu finden ist.

Marken_als_Grundlage_für_Herausforderungen_des_Lebens

aber vielleicht habe ich die Frage ja auch missverstanden, und das Produkt ist schon die erste Herausforderung, die im Leben auf mich wartet…?

es gibt noch ein paar weitere, ganz tolle Zuschreibungen, die Werber/ Marketingleute/Marktforscher/??? benutzen, um möglichst treffsicher das Brutzeln zu verkaufen, und nicht das Steak, bzw. … (vgl. Ferengi-Erwerbsregel 146: a.) Verkaufe das Brutzeln, nicht das Steak b.) Wenn möglich, verkaufe weder das Brutzeln, noch das Steak, sondern selbstdichtende Schaftbolzen) – ich werde die nach und nach dokumentieren, wenn sie mir unterkommen. da warten noch ein paar echt idiotische Klopper…

Arbeit, Arbeit über alles / tiiieeef durchatmen… AAAAHHH! #3

„Behinderten-Werkstätten sind auch besser als wenn man gar keine Arbeit hat“
steht in einem Kommentar bei FB -
und mir fehlen mal wieder die Worte.

WfbM, Werkstatt für behinderte Menschen, bedeutet arbeiten ohne die Errungenschaften, die für Arbeiter und Angestellte im „freien“ Arbeitsmarkt erstritten wurden (und derzeit schleunigst aufgegeben werden, aus Idiotie und Mangel an Solidargedanken – naja ist ja das Gleiche).

für Beschäftigte in WfbM gilt nicht mal der Mindestlohn. meistens kriegen die bedauernswerten Menschen, die in einer Werkstatt arbeiten müssen (ob der Zwang von außen kommt oder durch verinnerlichte falsche Arbeitsethik ist da ja glatt egal) maximal irgendwas um die 300 Euro für Vollzeit – davon wird dann noch soundsoviel auf die Sozialleistungen angerechnet. gibt es in der Werkstätte kostenlose Verpflegung, wird die idR noch von den Sozialleistungen abgezogen (da reden wir von ALG2-Niveau, im SGB XII/Grundsicherung sind die Regelsätze die gleichen wie im SGB II/Arbeitslosengeld II).

die meisten Träger von Werkstätten sind inzwischen auch dem BWL-Virus anheim gefallen und meinen, rentabel arbeiten zu müssen. das führt dann zB dazu, dass spezialisiertes Pflegepersonal weggespart wird und die zu erledigenden Pflegeaufgaben, zB Toilettengang, vom restlichen Werkstattpersonal betreut werden soll – man muss sich mal vorstellen, dass der eigene Abteilungsleiter einen aufs Klo begleitet und einem den Arsch abwischt. genau so stellt sich das ohne Pflegekräfte aber in den Werkstätten dar. da sind Gruppenleiter, die im Fach qualifiziert sind, zB kunsthandwerklich, die die Produktion betreuen und eben die Leiter sind – und mangels anderer Kräfte sollen die dann auch die pflegerischen Aufgaben übernehmen. und es gibt tatsächlich Leute, die sich sowas ausdenken und für zumutbar halten, für beide Seiten, und sich am End noch wer weiß wie sozial fühlen dabei.

und dann gibt es Betroffene, die sich zum Eingangszitat versteigen. für „Arbeit“ unter menschenunwürdigen Bedingungen zu einem menschenunwürdigen „Lohn“ quasi auch noch dankbar sein. eine tolle Gesellschaft, die dem Menschen nur über Arbeit das Gefühl vermitteln kann, sinnvoll auf der Welt zu sein. ganz egal wie die Arbeit beschaffen ist, wie bzw. ob sie überhaupt entlohnt wird, etc – Hauptsache Arbeit.

die Haltung trifft man ja nicht nur unter Behinderten an, die findet man ja allenthalben – hirn- und sinnfreie Arbeitsgelegenheiten, bei denen nicht mal die Unkosten ersetzt werden, und die dorthin verpflichteten sagen glatt noch, das sei noch besser, als sinnlos zu Hause rumzusitzen. erwachsene, vermeintlich mündige Menschen, die ihr Leben nicht sinnvoll gestalten können, wenn sie nicht weisungsgebunden irgendwelche Aufgaben für andere erledigen.
derartige geistige Verarmung tut mir einfach nur noch körperlich weh.